.png)
Warwick
Hallo Bloggs. Nun ist sie also da, diese unverschämt lange Länderspielpause. Öfter mal was Neues. Was soll man machen? Immerhin könnte man zu den Mädels am 04. Oktober gegen Union Berlin. Schaun`mer mal.
Bei meinen Reisen ist das so: Also ein Tag Sightseeing muss bei meinen Trips in England einfach zum Programm gehören. Wenn möglich. So war es auch das vor einigen Wochen. Eigentlich wollte ich nach Stratford-upon-Avon, dem Geburtsort von Shakespeare. Aber ich kurzfristig umgeplant, Warwick wurde zu meinem Tagesziel.
Warwick liegt in der Grafschaft Warwickshire, klingt logisch. Mit dem Zug ist das 35.000 Einwohnerstädtchen in rund 90 Minuten zu erreichen, von London aus. Der Bahnhof liegt am Stadtrand, zu den Attraktionen der Stadt ist es aber nicht weit. Warwick lebt von der Tradition und der Geschichte. Und hier ist das Warwick Castle ganz klar der Star. Ein Trutzburg direkt am Fluss Avon, sehr gut erhalten und dann noch dieses Programm!, zumindest während der Ferienzeit. Da wird die Burg förmlich überrannt, Familien mit ihren Kinderwägen, manche verwechseln diese Dinger auch mit einem Schützenpanzer, strömen in Massen durch das Tor, der Eintritt für einen Erwachsenen kostet umgerechnet 30,-- €. Dieser Wegezoll ist ganz schön happig, Unterhaltung hat eben seinen Preis. Dafür bekommt man auch ganz schön was geboten. Das Spektakel reicht von actionreiche Darbietungen zum Thema "war of the roses", über eine Greifvögelschau bis zum Abschuß einer mittelalterlichen Belagerungsmaschine. Für die Jüngsten gibt es altersgerechte Mitmachaktionen und allerlei sonstigen Schnickschnack. Ach ja, der Folterturm ist auch geöffnet, allerdings erst ab zwölf Jahren. Kurzum, man darf getrost einen vollen Tag einplanen. Die Preise an den Verpflegungstationen sind auch üppig, umgerechnet 10,-- € darf man für einen "Bratwursthotdog" hinblättern.
Es ist also eine bunte Mischung zwischen Disneyland und Burgenromantik, zwischen Kitsch und ehrlichem Geschichtsinteresse.

Von der Banbury Road Bridge aus hat man das beste Motiv von der Burg. Die Gärten links und rechts sind Privatgrundstück.
Schon bei der Anfahrt war es ungwöhnlich. Die Felder, Wiesen und Auen auf der Insel waren ebenfalls wie abgebrannt. Kaum eine Grünfläche in den Midlands. Für die wasserverwöhnten Briten war der Sommer 2026 eine echte Belastung. Da stöhnen die Leute normal schon bei 25/26° und jammern.

Durch das große Burgtor und rein. Spätestens hier und jetzt ist der Eintritt gerechtfertigt. Alles komplett erhalten, zumindest die Hauptgebäude und die Befestigungsanlagen. Man jat es gut gelöst. All die Shows und dergleichen wurden in das Außengelände verlegt, ebenso die ganzen Versorgung durch Speis und Trank. Das verteilt die Massen und es gibt ja auch unglaublich Platz auf dem rießigen Gelände.

Die Mauer ist zum Teil begehbar, allerdings nur in einer Richtung. Hier der Blick durch eine Zinne in Richtung der St. Mary's Church des Städtchens Warwick.

Die Shows sind zeitversetzt. Wer will kann so von einem Highlight zum anderen wechseln. Im Hintergrund die Arena für das Actionspektakel "war of the roses" und im Vordergrund, getrennt durch den Fluss Avon warten die Leute schon auf den Start der Greifvögelschau. Aber auch hier gilt, Unterhaltung gehört dazu. Da kommt dann der Falkner mit der Fähre über den Fluss, untermalt von martialischer Mittelaltermusik.

Die Darbietung "war of the roses" ist natürlich der Zuschauermagnet. Es war eine gelungene Mischung aus Stunts, Action und Geschichtserzählung. Und so geht es hin und her. Zwischendurch wird immer wieder die Geschichte des dreißigjährigen Konflikt erläutert. Natürlich gab es damals auch Unterbrechungen, es gab auch friedvollere Jahre. Aber immer wieder erinnerste sich eine Partei an seinen angeblichen Anspruch auf den Thron von England. Es war die blutreichste Epoche der Insel, dementsprechend groß auch das heutige Interesse.

All das richtig zu erklären, wäre eindeutig zu lang. Ganz kurz. Es kämpften zwei Adelshäuser um die Krone, York und Lancaster. Beide Grafschaften waren sich schon länger spinnefeind, der Konflikt bahnte sich daher an. Der Begriff "Rosenkriege" ist allerdings historisch nicht belegbar. So sollen beide Kontrahenten sich den Krieg erklärt haben, dabei jeder pflückte eine Rose aus demselben Garten. Die rote Rose stand für das Haus Lancaster, die weiße Rose für York. Der Bürgerkrieg führte zur kompletten Auslöschung der Familie York. Das Land war dann erschöpft und die Tudors wurden zu den lachenden Dritten.

Ein älteres Wappen von Leeds United erinnert an die "Rosenkriege". Schließlich liegt die Industriestadt in der Grafschaft West Yorkshire. Irgendwann ist es es dann einer Modernisierung zum Opfer gefallen. Man sieht, auch auf der Insel es mit der Tradition nicht mehr arg weit her.

Und bei Manchester City ist die rote Rose heute noch im Vereinswappen. Zwar ist man seit 1974 ein eigenes County, aber zumindest im aktuellen Wappen erinnert man sich noch an die ehemalige Zugehörigkeit zum Lancashire. Zum Schiff. Manchester galt früher als Hauptstadt der "Kleiderindustrie". Dazu braucht man Baumwolle. Die kam aus den USA und wurde per Schiff nach Liverpool transportiert und von dort über den Manchester Ship Canal in die Metropole geschaft.
Einige Wappen des Landes erinnern noch an die Rosenkriege, nicht nur das Spektakel in der Castle of Warwick.
Keep the faith.
RaMü.
