Zu guter Letzt ...
 
Hallo Bloggs. Mit dieser Post beende ich dann das Thema Pokalfinale. Der Tag begann mit Touristik und endete mit dem besagten Spiel. Mein Hotel war in der Nähe der S-Bahnhaltestelle Schönefelde, ganz in der Nähe des heutigen Flughafens BER. Früher war das der offizielle Airport der DDR, schon allein diese Tatsache weckte mein Interesse. Der heutige Bahnhof ist eine stinknormale Haltestelle, damals war es noch mit einer Zoll- und Passkontrollstelle bestückt. 
Beim Einsteigen traf ich mehrere VfB-Fans. Sie alle wollten zunächst zum Alexanderplatz nach Ostberlin, dem offiziellen Treffpunkt der Anhänger Stuttgarts. Ich traf zwei sogar später wieder im Stadion, beide waren etwas enttäuscht von diesem Gedöns, so richtige Begeisterung konnte man nicht raushören. Ich war letztes Jahr am Breitscheidplatz und verzichtete diesmal im Voraus auf den Fantreff. Ich wollte irgendwas mit Geschichte sehen und gerade da bietet Berlin eine ganze Menge. Ich entschied mich für das Alliierten-Museum im Stadtteil Steglitz-Zehlendorf. Das hatte auch den Vorteil, ich war dann bereits im Westteil der Stadt, so ganz grob zumindest.
O.k., ich brauchte auch eine runde Dreiviertelstunde bis dahin. Zwei verschiedene U-Bahnstrecken und eine zwanzigminütige Fahrt mit dem Bus waren nötig, dann war ich da. In der Clayallee stieg ich aus, ab jetzt tauchte ich tief in die Nachkriegsgeschichte Berlins ein. Es ist aber auch die Geschichte zweier deutscher Staaten, welche durch zwei komplett verschiedene Systeme getrennt wurden. Später, mit dem Bau der Mauer entlang der Grenze wurde das noch verfestigt. Ich verbrachte meine Dienstzeit bei der Bundeswehr in der Nähe dieses Monstrums namens "antifaschistischer Schutzwall", wir konnten mit eigenen Augen die Sperranlagen sehen.
In Berlin war dies besonders krass. Man teilte die gesamte Stadt in vier Sektoren auf, jeder Sektor hatte seine eigene Verwaltung. Es gab den französischen, britischen und amerikanischen Sektor, sowie den sowjetischen Bereich, wie das ganze Deutschland. Das Alliierten-Museum wurde 1998 eingeweiht, anläßlich des fünfzigsten Jahrestages der Berliner Luftbrücke 1948/49. Dieser damalige Zeitraum war der Beginn einer Freundschaft zwischen den damaligen westlichen Siegermächten und der Bevölkerung Westdeutschlands und natürlich dem "belagerten" Berlin. Fast ein Jahr lang war die Millionenstadt auf dem Landweg durch die Sowjets und die DDR abgeschnitten. Es begann die bis heute größte Luftversorgung, 2,3 Millionen Menschen mussten aus der Luft versorgt werden. Schließlich brachen die kommunistischen Machthaber die Blockade ab, allein vierzig britische und 31 amerikanische Piloten mussten ihr Leben für die Versorgung des einstigen Feindes lassen. Quellen sprechen von deutlich mehr Toten und Unfällen, die genaue Anzahl läßt sich wohl nicht mehr ermitteln.
Das Museum zeigt auch die Entwicklung der "Frontstadt" von 1945 bis 1994. Da zogen die ehemaligen Feinde ab, man war zu Freunden geworden. Leider scheint das speziell auf der anderen Seite des Atlantiks in Vergessenheit zu geraten.
 
 
Der Eingang zum Museum. Im Hintergrund das ehemalige Kino des Hauptquartieres der Westmächte und der amerikanischen Berlin Brigade. Wird im Moment renoviert.
 
 
Ein britisches Transportflugzeug vor einem Wachturm der DDR Grenztruppen. Dieser wurde abgebaut und dem Museum gespendet.
 
 
Der Schwerpunkt der Ausstellung ist klar. 
 
 
Wer Spionagegeschichten liegt, hier ist man richtig. Das Bild zeigt den letzten Teil eines "Spionagetunnels" der Amerikaner. Damals wurde ein Tunnel unter der Grenze durchgebuddelt und die russischen Telefonkabel angezapft. Das ging insgesamt über drei Jahre gut, 1956 erst wurde der Tunnel entdeckt. Bis dahin hatte man über 400.000 Telefonate abgehört. Allerdings war die ganze Angelegenheit bereits früh durch einen später enttarnten Doppelagenten verraten worden, was die eigentliche Erfolgsgeschichte wesentlich schmälerte. Nach der Entdeckung wurde der Tunnel zugeschüttet und geriet in Vergangenheit. Erst 2012 wurde ein Teil wieder entdeckt und geborgen. Dieser Abschnitt bildet heute einen atemberaubenden Einblick in die Spionage zu Beginn des ersten "kalten Krieges".
 
 
Der Checkpoint Charlie ist jeden geschichtlich interessierten Besucher ein Begriff. Nach dem Fall der Mauer wurde das letzte Kontrollhäuschen abgebaut und ebenfalls im Alliierten-Museum wieder aufgestellt.
 
 
Zu guter Letzt nochmal einen Blick über Teile des Museumsgeländes. Wer an Geschichte ernsthaft interessiert ist und die üblichen Highlights schon abgeklappert hat, hier ist die Fortsetzung.
 
Während des Besuches hatte ich natürlich mein VfB-Trikot an, ich war der einzige Besucher mit Bezug zum Pokalfinale. Im Bus wünschten mir manche Mitfahrer viel Glück, der FC Bayern scheint in der Bundeshauptstadt nicht besonders beliebt zu sein. Auf jeden Fall machte ich mich dann auf den Weg zum eigentlichen Grund der Reise. Und spätestens in der U-Bahn in Richtung Olympiastadion wurde mir dann klar, heute geht es in der Hauptsache um Fussball.
 
 
Keep the faith.
RaMü.