Stadium MK, Milton Keynes. Samstag, 22. August 2026.
 
Hallo Bloggs. Es ist erst der zweite Spieltag in der englischen Championship, also der zweiten Liga Englands. Beide Vereine dieser Partie sind recht erfolgreich gestartet. Huddersfield Town gewann daheim glatt mit 3:0 gegen den AFC Wimbledon und Aufsteiger MK Dons entführte immerhin einen Zähler in der Fremde, 2:2 in Oxford. Nun also ein Heimspiel und dann bin ich beim unbeliebtesten Club Englands. Die Geschichte ist dermaßen verwirrend und gleichzeitig entlarvent, es ist die Story vom "modernen Fussball", der kaum mehr Rücksicht auf das Befinden der Fans nimmt und so ganz nebenbei die Tradition in die Tonne kickt. Darüber gibt es eine Post nach dem Trip, sozusagen als Nachbereitung. 
Aber eines ist klar, spätestens mit dem Anpfiff geht es um das runde Leder, um den Fussball. Immer noch entscheiden die Akteure auf dem Rasen das Geschehen, natürlich ist das Drumherum auch wichtig. Trotzdem freue ich mich auf den Trip, eine Mischung aus Touristik, Stichwort Shakespeare und Fussball, Liga drei und Premier League. Auch toll. Die Temperaturen sagen tagsüber etwa 18 oder 19° an, wonderful.
 
 
Das Stadion der Milton Keynes Dons ist ja gar nicht so übel. Modern, rundgelutscht und vor allen Dingen groß. Und in diesem Falle deutlich zu groß. Die Stadionplaner haben wohl gedacht, "think big" und sind dabei über das Ziel hinaus geschossen. Etwa 30.000 Zuschauer gehen rein und im Schnitt kommen immer ungefähr 10.000 Besucher pro Heimspiel. Die Dons pendeln zumeist zwischen vierter und dritter Liga, ein etwas kleinerer Ground hätte es auch getan. Und so bleibt in der Regel der Oberrang ständig geschlossen, ähnlich wie z.B. in Salzburg bei den "Dosen". 
Über die Geschichte und vor allen Dingen Umzugs dieses Vereins aus London gibt es so viele begründete Vorurteile, zum Teil berechtigt, zum Teil auch nocht. Auf jeden Fall ist hier alles klinisch rein, kein Abfall und Müll um das Stadion, und drinnen schon gar nicht. Man bemüht sich krampfhaft eine neue Generation von Supportern zu finden und an sich zu binden. Und so langsam scheint es zu gelingen, der akkustische Support war nicht schlechter oder besser als anderswo.
9.550 Fans kamen zum ersten Heimspiel nach dem letztjährigen Wiederaufstieg. Gegner Huddersfield füllte den Gästeblock fast komplett und hatte vor allen Dingen in der ersten Halbzeit allen Grund zur Freude. Ihr Team beherrschte den Gegner vollkommen und die frühe Führung durch Tayler (9.) war nur die Bestätigung der Überlegenheit. 0:1 und weitere krasse Tormöglichkeiten, so traf Fletcher nur den Pfosten. Die Dons waren vollkommen in der Defensive, nur ein einziges Mal musste Townschlußmann Young eingreifen. Es war die erste Halbzeit der vergeigten Chancen und das rächte sich nun, wie so oft. Mit dem Seitenwechsel wechselte auch das Momentum und Collins markierte in der 53. Minute das 1:1 für die Hausherren. Die Stimmung stieg und die Dons wollten den ersten Dreier und fast hätte es geklappt. Aber eine Abwehr per Kopf auf der Linie verhinderte den Siegtreffer und so endete diese Begegnung mit einem insgesamt gerechten 1:1. Jedes Team hatte seine Halbzeit, wobei Huddersfiel unterm Strich die etwas besseren Chancen hatte.
 
 
Die Anbindung an die Stadt Milton Keynes ist umständlich. Der Bahnhof Bletchley ist knapp drei Kilometer entfernt, egal welche Route man nimmt. Alles ist neu rund um das Stadion, welches den Mittelpunkt stellt. Eine Einkaufsmall und ein großer "Fresstempel" umranden den Ground.
 
 
Alles ist luftig unf aufgelockert bebaut. Modern, aber seelenlos. Es hat kein Flair, natürlich auch keine richtige Geschichte. Das Stadion wurde 2005 eingeweiht und hatte zunächst Platz für 22.000 Zuschauer. Dann, 2013 stockte man den Oberrang auf. Warum auch immer.
 
 
Ausverkauft war es nie. Selbst Liverpool füllte bei einem Pokalspiel das Stadion nicht bis zum letzten Platz. Halt doch, bei einem Rubgyspiel wähtrend einer Weltmeisterschaft gelang dies. Da spielte Fischi gegen Uruguay (!).
 
 
Tja, und so sieht es dann halt aus. Nur zu einem Drittel gefüllt, es wirkt irgendwie traurig. 
 
 
War mich immer wieder belustigt ist die exakten Angabe der Gästefans. 1546 Supporters vermeldete etwa Huddersfield Town auf ihrer Website. Auf der Insel wird strikt getrennt. Gästefans sind ausschließlich nur im Gästebereich zulässig. Für deutsche Fussballfans unglaublich. Und es wird richtig, richtig streng praktiziert. Mit Trikot des Auswärtsvereins irgendwo im Heimbereich, keine Chance. In zivil vielleicht, dann aber bitte keine Regung während des Spieles. Ansonsten treten die Stewards in Action.
 
 
Ein Beispiel für den Verlauf der ersten Halbzeit, Huddersfield ständig in der Vorwärtsbewegung. Chancen über Chancen, aber nur ein Treffer. Das rächte sich später, 1:1 der Endstand.
 
 
Der "brutalste" Bild des Spieles. Ok, ich hab's mit Absicht gemacht. Aber es ist halt auch eine Tatsache. ein geschlossener Oberrang mit einer kleinen Ausnahme bildet halt nun keinen tollen Hintergrund. Dazu dann noch die Sperrung der halben Tribüne hinter dem Tor, gespenstisch.
 
 
Und daran wird sich auf wenig in Zukunft ändern. Wer erst vor zwanzig Jahren hierher gezogen ist und die heimatliche, traditionelle Fanbasis nicht mitzieht, steht vor dem Neuanfang. Wer fährt schon siebzig Kilometer zu einem HEIMSPIEL? Darüber aber in einer anderen Post mehr.
 
Keep the faith.
RaMü.