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Splash the cash!
Hallo Bloggs. Beim VfB Stuttgart war es zuletzt etwas komisch. Zuerst wurde einem auf der Mitgliederversammlung erklärt, man sei gut aufgestellt für die neue Saison. Niemand hat die Absicht einen Spieler zu verkaufen. Dann wäre man intern doch über einen Demirovictransfer froh gewesen, offiziell natürlich nicht. Mit Hull City war wohl ein finanzkräftiger Verein im Gespräch, Vagnoman war das Objekt der Begierde. Hat auch nicht geklappt. Ein Levellingwechsel wäre die finanziell attraktivste Lösung gewesen, nur der Spieler wollte einfach nicht. So ebbes. Dann hald ned. In fast allerletzte Minute flatterte eine Offerte für Chema ins rote Haus. Und schwupp, her damit und weg mit ihm. Und so hat man doch noch etwas Cash ins wohl doch nicht so pralle Portemonnaie geschaufelt. Ob das sportlich eine gute Lösung war, wird sich wohl noch zeigen.
Für die Clubs auf der Insel sind das alles Peanuts. Da sind Transfers unter zwanzig, fünfundzwanzig Millionen fast lächerlich und unter der Würde. Der gemeine Fan außerhalb des Mutterlandes des Fussballs kann da nur den Kopf schütteln und fragt sich, wo kommt nur all die Kohle her?
Liebe Leute, das liebe TV und die Streamingdienste auf der ganzen Welt finanzieren diesen Wahnsinn, dann noch die komplett andere Möglichkeiten für Investoren. Es gibt keine Regel, Kapitalismus pur dort gegen Tradition in Deutschland. Es prallen Welten aufeinander. Hier die Bratwurst, dort der Fish&Chips. Money goes around, im Moment hat die Premier League alle Trümpfe in der Hand.
Aber man kann das Geld aber auch zum Fenster rauswerfen. Ohne Sinn und Verstand. Das beste Beispiel ist in Nordlondon beheimatet. Tottenham Hotspur, der Heimatclub eines gewissen Harry Kane ist so etwas wie ein ewiges Talent. Überladen mit Tradition und nur einen echten Lichtblick in der jüngsten Zeit. 2025 gewann man doch etwas überraschend die Europa League. Davor war lange Zeit nichts los. Der Ligapokal 2008 noch und das war es, in diesem Jahrtausend bis eben 2025. Die Ligaplazierungen erlaubten zwar fast stetige Teilnahme am europäischen Fussball, der Erfolg war bescheiden, trotz des Torgaranten Kane. Immerhin hat man nun seit mehreren Jahren ein gigantisch gutes Stadion, im Prinzip am gleichen Standort. Es war eine Meisterleistung, das Stadion während des Spielbetriebes quasi zu drehen und komplett neu zu bauen.
Ich weiß, nach dem Fall Manchester City ist diese Post etwas befremdlich, spätestens nach den Anschuldigungen der Premier League. Das ist die eine Seite. Die andere Seite der Münze heißt aber auch, dieses Geld, woher es auch immer kommt, sinnvoll auszugeben. Und das ist bei den Spurs ziemlich schief gelaufen. Ach was, es wurde verkackt.
Die Transferbilanz ist trostlos. Selbst in der Titelsaison 2025 erwirtschaftete man ein Transferminus von 129 Millionen. Man holte gewann zwar die Europa League, aber in der Premiership stieg man fast ab. Platz siebzehn war schon eine Blamage. Die Saison 2025/26 sollte viel besser werden. Man wechselte fast den kompletten Kader aus und brachte eine noch größere negative Bilanz zustande. Stolze 182 Millionen waren diesmal. Es wurde noch mieser, der Klassenerhalt wurde erst am letzten Spieltag gesichert und dafür all das liebe Geld zum Fenster rausgeworfen. Splash the cash auf englisch! Jetzt aber, der dritte Versuch. In diesem Sommer wurde nochmals rangeklotzt. 18 Spieler verliesen den Club und verringerten so den aufgeblähten Kader, nur neun Zugänge meldete man. Und die Kosten explodierten trotzdem. Man "toppte" die Vorsaison und erreichte einen neuen Minusrekord in Sachen Transferbilanzen; läppische 195 Millionen wurden vorerst in den Sand gesetzt. WOW. Nach fünf Spieltagen ist man Letzter mit zwei Zählern, bei zwei erzielten Treffern. Schlechter geht fast nimmer. Und so gehen die Spurs wohl in die dritte schwere Saison in Serie, die Länderspielpause kam da gerade recht. Durchatmen, neu ausrichten und einfach besser werden. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Der Trend ist besorgniserregend, der Spielplan bietet aber eine Chance. Am nächsten Wochenende geht es zur kriselnden United nach Manchester und dann kommt mit Coventry City ein Aufsteiger ins heimische Stadion. Also vier Punkte sind Pflicht, sonst geht es in dieser Saison eventuell doch runter. Siehe West Ham United. Aber vielleicht hilft auch die FA der Premier League und der erste Absteiger steht bald fest, Manchester City. Sollte das Strafmaß so ausfallen, wäre es schon mal der erste Strohhalm. Aber daran will im Moment in Nordlondon niemand denken, dafür ist die Saison noch zu jung, viel zu jung.
Man sieht, Geld allein ist nicht alles. Es muss auch passen und man braucht auch etwas Zeit. Geld ist ohne Zweifel von großem Vorteil, aber zum Glück braucht es mehr. Willige Spieler, ein Trainer mit Aurorität und Austrahlung, ein geschlossenes Präsidium und leidensfähiges Publikum. Zumindest am Publikum liegt es nicht, nach wie vor sind die Tickets begehrt. Sold out ist immer.
Mein letzter Besuch bei den Spurs ist schon recht lange her. Es war der 24. August 2014. Ein Heimspiel gegen die Queens Park Rangers. Das Match fand noch im alten Stadion "White Hart Lane" statt. Die Umbrucharbeiten hatten gerade erst begonnen, siehe Bauzäune und abgerissene Häuserfronten links.
Die alte East Stand in ihrer alten Pracht. Seit 1899 spielten hier die "Spurs", 2019 endete dann diese Epoche. Der Ground erlebte viele Umbauten und Erneuerungen.
Etwa 36.000 Zuschauer konnten rein. Die Londoner Clubs profitieren unglaublich von der britischen Metropole. Viele Touristen verbinden einen Städtetrip mit einem Stadionbesuch. Tottenham gehörte und gehört dazu ohne Zweifel zu den Favoriten. Allerdings ist alles recht teuer, wie alles in London. Tickets gibt es im Prinzip nur über eine Mitgliedschaft, die kostet schon mal rund 50,-- € im Jahr. Das neue Stadion ist wohl eine Wucht und mit zahlreichen Attraktionen ausgestattet. So kann man sich mit einem Guide vom Stadiondach abseilen und auf das Spielfeld schauen. Wer's braucht. Der Skywalk bietet einen atemberaubenden Ausblick auf London, bei gutem Wetter. Alles toll, nur die Mannschaft ist halt schlecht. Ich war noch nie im neuen Ground, hat sich noch nicht ergeben. Konzentriere mich auf die "b92".
Bei genauem Hinsehen war es 2014 schon unübersehbar, die "White Hart Lane" ist in die Jahre gekommen. Aber genau das wollen viele Stadionbesucher noch erleben. Die guten, alten Football Grounds. Aber der Uhrzeiger dreht sich weiter, ohne Erbarmen. Die letzten Überreste der alten englischen Stadionkultur werden immer weniger. Entweder gibt es einen kompletten Neubau oder die Tribünen werden nach und nach ersetzt. Vorbei mit den roten Ziegelsteinen, es lebe Beton, Stahl und Glas.
Keep the faith.
RaMü.