
Simon aus Hanau
Hallo Bloggs. Es war in Sinsheim, also bei der TSG Hoffenheim. Wir fuhren die paar Kilometer in einem sogenannten Neunerbus, alles Veteranen. Leider musste ein Mitfahrer aufgrund eines Todesfalles innerhalb des engeren Familienkreises auf die Fahrt und somit auf das Ticket verzichten. Und so wurde das Ticket auf X, dem ehemaligen Twitter ausgestellt. Es waren nur wenige Minuten verstrichen und schon purzelten die Meldungen rein, einer erhielt die Zusage. Übergabe des Tickets gegen Cash beim Fantreff der Gästefans in Sinsheim, ok?

Es war natürlich etwas aufreibend, bis man sich gefunden hatte. Und die Überraschung war groß, der Käufer war ein Jungspund aus Hessen, natürlich war es nicht Simon aus Hanau, ich habe diese Namen wegen der Wahrung der Persönlichkeitsrechte gewählt. Der Vorname ähnlich und seine richtige Stadt etwa in derselben Größe. Egal. Und er hatte ein Problem, seit Geburt hat der junge Mann eine Fehlstellung am linken oder rechten Sprunggelenk, weiß ich nicht mehr. Er trägt entsprechendes Schuhwerk und ist deshalb auch nicht der Schnellste. Wir auch nicht, auch das läßt sich biologisch erklären. Auf jeden Fall haben wir den jungen Mitstreiter in die Mitte genommen und sind wie Hütehunde um die Herde herumgesprungen. Natürlich war er das ganze Spiel bei uns, logisch bei dem Ticket und nach dem Kick verabschideten wir uns. Bis zum nächsten Mal. Gelächter.
Warum erzähle ich das? Sind sich eigentlich die allermeisten Spieler überhaupt der Tatsache bewußt, was manche Menschen auf sich nehmen? O.k., das Match ist schon ein Weilchen her, die hundsmiserable WM hat sich dazwischen geschoben, aber jeder der dort war oder den Kick an der Glotze angeschaut hat, erinnert sich noch an die unterirdische Vorstellung in der ersten Halbzeit. Im selbsternannten "Endspiel" um die Champions League! Simon klettert im Trikot und Schal morgens in den Zug, fährt mit dem D-Ticket durch das halbe Land, steigt in Mannheim um und ist dann gegen 23.30 Uhr wieder daheim, wenn die Deutsche Bahn mitmacht. Er war beim Pokalhalbfinalheimspiel gegen Freiburg, hat mit seinem Vater zusammen im Auto auf dem Wasen gepennt und dann ist man heimgefahren. Seinem Vater hat er auch die Leidenschaft zum VfB zu verdanken. Dieser kennt noch Hansi Müller, Hermann Ohlicher und Karl-Heinz Förster aus den Heimspielen im Neckarstadion. WOW. Einer von uns, aus Hessen.
Wissen die Spieler das? Wissen sie um die Umstände bei einer Auswärtsfahrt, um die finanziellen Kraftakte, um die endlosen Diskussionen in der Famile oder mit der Frau oder Freundin? Sind sie sich dessen bewußt, wenn man in jedem Auswärtsspiel einen proppenvollen Gästeblock und mehr antrifft. Um die Beschwernisse einer Rückfahrt von Bremen, um die zum Teil abenteuerliche Umwege für ein Match in Istanbul, wissen die das wirklich? Oder sind das alles nur Lippenbekenntnisse? Viele Fragezeichen und keine echten Antworten. Simon ist bestimmt gut angekommen und fiebert schon der neuen Saison entgegen. Dann probiert er es wieder, er versucht an Tickets zu kommen, an Tickets für seinen VfB, ein VfB-Fan mit hessischem Dialekt. Hats off!

Nein, dieses Bild ist natürlich nicht Hoffenheim, sondern Kiel beim Pokalspiel am 04. Februar 2026. Es ist zugleich eine Art Verbeugung für all diejenigen, welche das "Rückgrat" des Supports bilden. Bald geht es wieder los.
Keep the faith.
RaMü.