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MHP Arena, Stuttgart. Samstag, 08. August 2026.
Hallo Bloggs. Eigentlich habe ich mir vorgenommen, das machste nicht mehr. Bei den letzten beiden Spielen gegen Bilbao und Bologna in der jeweiligen Vorbereitung herrschte brütende Hitze und dann war es eh mehr ein Familientag, denn ein etwas ernsthafterer Test. Wobei ich mich für alle Stadionbesucher freue, ob groß oder klein. Endlich kann auch mal eine ganze VfB-Familie geschlossen ins Stadion, das Rahmenprogramm ist ja auch ganz ansprechend. Für die Temperaturen kann der VfB nichts dafür und ein Saisonopening ist halt vor der Saison und nicht erst in der zweiten Länderspielpause.
Da aber mit dem FC Everton eine englische Mannschaft kommt, werde ich doch gehen. Letztes Jahr war ich mit Kumpels auf der Waldau wegen Notts County (!), dann kann ich auch an den Neckar wegen den "Toffies". Everton ist zwar nicht gerade ein Straßenfeger, denn der blaue Stadtrivale des FC Liverpool ist seit Jahrzehnten eine graue Maus. Erfolgreich, das war früher. Allerdings seit kurzem mit doch etwas mehr Glanz, denn das funkelnagelneue Stadion mitten im Herzen der Stadt an der Merseyside ist vom Allerfeinsten. Das Hill Dickinson Stadium verschlang 750 Millionen £, umgerechnet etwa schlappe 825 Millionen €. Also in Sachen Ground haben die Blauen jetzt die Nase vorn, in der Beatlesstadt. Sportlich ist alles wie immer, man spielt halt mit. Ich war noch nie da, ist aber auch kein Beinbruch, denn erst seit der letzten Spielrunde werden die Matches des FC Everton dort ausgetragen.
Ich kenne noch den alten Goodison Park noch persönlich. Mir blutet das Herz, das Sterben der "pretty old grounds" geht weiter. Das alles hat mit dem Spiel wenig zu tun, zeigt aber trotzdem die finanzielle große Lücke zwischen den beiden Ligen. Mal sehen, wie es auf dem Platz aussieht?

"Höfleswetz" ist eine schwäbische Bezeichnung für ein Fussballspiel, welches in einem Hinterhof gespielt wird. Da die Teilnehmer in der Regel recht jung sind, wurde nicht erlaubt, den vertrauten Hinterhof zu verlassen. Das Spielfeld ist beengt, deshalb wird der Umgang mit dem Ball auf engstem Raum gefördert und gefordert und manchmal hat man das Gefühl, das gilt auch für den VfB Stuttgart.
Es war "Opening", also Familientag. Die Mercedesstraße vor dem Stadion verwandelte sich in eine Partymeile und das Publikum war sehr jung. So soll es sein und es ist schön, dass Familien endlich mal gemeinsam die MHP-Arena besuchen können. Da, wo der Pappa seine Zeit verbringt, wenn er mit Trikot und Schal das traute Heim verläßt. Passend dazu zumeist ein internationaler Gegner, für lange Jahre die einzige Möglichkeit für solche Begegnungen. Na ja, in den letzten Jahren hat sich das geändert, Europa scheint Dauergast zu werden und da ist solch ein Kick eben was es ist, ein weiteres Vorbereitungsspiel eben. Nichts kann aber den echten Wettkampf ersetzen, weder auf dem Rasen als auf den Rängen.
Der VfB spielte wie immer, ballorientiert und nur leichter Druck. Gast Everton ist nun auch nicht gerade die Vorzeigetruppe der Premier League und so fiel das 1:0 durch einen schönen Spielzug. Nach einer Balleroberung spielte der zunächst agile Milosevic einen langen Ball auf Außen, Nartey schlug zunächst einen Haken und knallte das Leder unter die Querlatte. Der Jubel war verhalten, wie die ganze Zeit über. Dann folgte zumindest für die nächsten zwanzig Minuten eine ziemlich schlaffe Phase der Hausherren. Also die Sache mit der Dreierkette war hoffentlich nur ein Versuch, denn mehrmals rettete das pure Glück vor dem Ausgleich. Zumal Stuttgarts Schlußmann Bredlow sich auch noch einen kapitalen Bock erlaubte, aber auch diese Schrecksekunde wurde unbeschadet ünerstanden. Zum Schluß der ersten Halbzeit wurde es wieder besser, der VfB wieder druckvoller und so kam man auch wieder zu Torchancen. In der zweiten Halbzeit folgte dann die erwartete Wechselorgie, dazu sind solche Spiele halt da. Beim VfB klappte es auf Anhieb, der erst ein paar Sekunden zuvor eingewechselte Hendriks köpfte eine Ecke von Bouanani zum 2:0 ein. Evertons Ehrentreffer fiel durch einen etwas umstittenen Foulelfmeter, Barry verwandelte sich zum 2:1. Aber es gab keinen großen Bruch im Stuttgarter Spiel, man war weiterhin Herr im eigenen Haus. Nun kam die große Zeit der Höfleskicker mit dem dicken Konto, der VfB versuchte sich auf engstem Raum. Klappte nicht, dafür aber eine schnelle Ballstafette, Bouanani vollstreckte zum 3:1. Zuvor und danach trafen Führich und Demirovic noch das Gehäuse, Everton war also mit diesem Resultat gut bedient.
Fazit: Es war und ist ein Spiel am Familientag. Das muß man wissen und dann kann man solche Kicks auch richtig einschätzen. Da der VfB keine Neuzugänge präsentierte, war die Neugier auch begrenzt. Beide Oberränge blieben geschlossen, 43.000 Zuschauer sind trotzdem respektabel. Spötter sprechen von einem Mickey Mouse Spiel, das war es dann doch nicht ganz. Trainer und Spieler brauchen diese Spiele, das geht runter bis zur Kreisklasse.

Bei diesem Spiel sitzen wir immer in einer anderen Ecke der Arena. Auf unserem Stammplatz im Block 49b sind wir das ganze Jahr über, da ist das mal eine willkommene Abwechselung. Diesmal war es Block 31c, also auch Cannstatter Kurve. Da ist man schon näher am Spielfeld, dafür hatten wir in der ersten Halbzeit die Sonne gnadenlos im Nacken.

Man sieht es deutlich, die beiden Oberränge waren nicht geöffnet. Dafür war der Rest doch so gut wie ausverkauft. Stimmungstechnisch war es "Down under". Insider wissen auf was man sich einläßt. Trotzdem, die vergangenen Jahre war es besser.

Gast Everton brachte etwa 450 Supporters mit. Europokalstimmung war auch nicht. Für die Fans der "Toffies" sind solche Matches eine Art "Europapokalersatz", das Spiel beim HSV gewannen die Engländer knapp mit 2:1. Aber auch deren Anhang leidete unter der Hitze, zu hören war kaum etwas.

Keep the faith.
RaMü.
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