MHP Arena, Stuttgart
 
Hallo Bloggs. Es waren zwei Sahnewochen für die Fans des VfB, zumindest aus sportlicher Sicht. Zwar gab es wegen der Länderspiele keine Ligapunkte, aber man stellte den größten Vereinsblock in der Nationalmannschaft. Amazing. Natürlich waren die Einsatzminuten insgesamt übersichtlich, aber Mittelstädt in beiden Kicks in der Startelf, das ist schlichtweg berauschend. Und dabei war das Kiffen noch nicht mal so richtig offiziell erlaubt. Da brauchste keinen Stoff, nimm doch den VfB.
Auf jeden Fall steigt in Stuttgart das Schwabenduell, welche aber nur auf der Landkarte eines ist. Es ist kein Derby. Denn das würde Tradition bedeuten und das gilt für die Spiele gegen Heidenheim auf keinen Fall. Sprechen wir so in zwanzig, dreißig Jahren mal darüber. 
 
 
Bierdusche in der 98. Minute, Erleichterung pur. Es war ein Auf und Ab für die Himmelsstürmer des VfB Stuttgart und womöglich der Dämpfer vor dem Saisonendspurt. Denn alles war so selig. Nationalspieler zuhauf, bundesweit das Thema neben Leverkusen, das 1000. Spiel in der Arena, die Fertigstellung der neuen Tribüne, ab jetzt 60.000 Zuschauer möglich, und, und, und. Die Wolke sieben trug einen Brustring und zerstob fast im Gästeschlußspurt, aber nur fast. Man rettete einen Zähler und konnte immerhin den Abstand zu Salzburg Nord behaupten. Mehr aber nicht.
Bei all der Selbstbeweihräucherung vor dem Spiel störte nur der Krach in der Vorstandsetage. Dem Aufruf "alle in schwarz" folgten außerhalb des Commando Cannstatts nur wenige, auch ein Statement. Die kurze Spielunterbrechung und der Stimmungsboykott von zehn Minuten wurden im Rund murrend geduldet, man wollte einfach nur Fussball sehen. Am besten natürlich ein Heimsieg.
Und danach sah es doch auch aus. Zunächst. Die erste Halbzeit gehörte bis auf eine einzige Ausnahme dem VfB. Man kontrollierte das Geschehen, übernahm das Kommando und machte das was das Spiel ausmacht; Tore. Der erste Einschlag wurde nach VAR-Entscheidung wegen 2 Zentimeter Abseits abgelehnt, danach verhinderte Heidenheims Torhüter Müller mehrmals das 1:0. Das fiel dann letztlich trotzdem, Guirassy vollendete eine perfekte Kobination. Fussball in Reinkultur. Die Fans feierten, aber manchem ging das gewisse Etwas im Team ab. Mancher Bruddler wollte mehr Schärfe, mehr Biß, mehr Wollen. Bislang reichte das Gezeigte, man tröstete sich mit der Gewißheit, eine Spitzenmannschaft macht das so. Ganz neue Argumente am Neckar. Mit dem 2:0 durch Stiller war endgültig Party angesagt, die Zuschauer feierten den sicheren Einzug in den internationalen Fussball. Bei diesem Spielstand haben ausgesprochene Spitzenteams zwei Optionen: Man verwaltet und wartet; oder man spielt bedingungslos und humorlos auf das 3:0 oder gar mehr. Stuttgart wählte folgende Variante; jetzt wird gezaubert und ich bin nicht mehr Zauberlehrling sondern der Meister. Das ist VfB untypisch, nach dem 1:1 gegen Köln nun der zweite "Aussetzer" in diese Richtung. Ok, das 2:1 war ein klassischer Torwartfehler, Schwamm drüber. Wir alle kennen und lieben Alexander Nübel, kommt vor. Aber dass die Mannschaft derart aus der Spur kommt, war nicht zu erwarten. Es folgten letztlich zwei Gegentreffer innerhalb drei Minuten, aus dem 2:0 wurde ein 2:3, und das gegen Heidenheim. Es bahnte sich der größtmöglichste "worst case" an, zwei Pleiten gegen die Älbler. Aber, Schluß ist, wenn der Schiedsrichter pfeift. Und mit der wirklich letzten Aktion erzielte der sichtlich platte Undav noch das 3:3. Spektakel pur. Und so fühlte sich bei einem Unentschieden jede Seite als Verlierer. Gastgeber VfB, weil er ein 2:0 nicht sauber über die Bühne brachte und Heidenheim, weil man die Sensation aus der Hand gab.
Nun steht ja bekanntlich das Auswärtsspiel in Dortmund an. Im Abwehrbereich wachsen die Sorgen. Nach den längeren Verletzungen von Zagadou und Rouault steht jetzt auch Anton wegen der Gelbsperre nicht zur Verfügung. Da bin ich aber gespannt. Zusätzlich beträgt der Vorsprung eben auf den BvB nur noch vier Punkte, das wird noch eng. Wenigstens konnte der Abstand zu Leipzig gehalten werden. Deren 0:0 am Vortag hätte eigentlich Warnung genug sein müssen. Hätte.
 
 
Es war Ostersonntag, das Wetter schlichtweg ideal. Mit Heidenheim ein machbarer Gegner, volles Haus. Was konnte da noch schief gehen?
 
 
Langsam wird's. Die EM kommt zeitlich bedrohlich näher und der Umbau scheint längst nicht vollends abgeschlossen. Immerhin sind die Einlaßkontrollstellen komplett fertig. Die digitale Anzeige dürfte speziell bei Abendspielen ein Segen sein. Gelungen, finde ich.
 
 
Zum ersten Mal seit Jahren, ein Blick in das Stadion ohne auf eine Baustelle zu blicken. Äußerlich hat sich nicht brutal viel verändert, bei der "neuen" Haupttribüne zählen die "inneren Werte".
 
 
Lästig, die Unterbrechung. Hat aber bei der Bewertung des 3:3 gegen Heidenheim keine Rolle gespielt. Die Frage darf erlaubt sein, was macht man gegen Frankfurt, sollte keine Entscheidung im Sinne der Kurve getroffen sein? Gibt es eine Exitstrategie?
 
 
Jeder raucht wie er möchte, so wohl das Motto des Spieles.
 
 
Keep the faith.
RaMü
 
Nächste Post:  Etihad Stadium, Manchester