Schaffhuusä !

Hallo Bloggs,

der Stadionsprecher war die ärmste Sau des Abends mit dem härtesten Job. Wie leite ich eine Fußballparty mit so wenig Gästen, wie begeistert man 784 Zuschauer in einer nagelneuen, schmucken 8.000 Zuschauer fassenden Arena? Es ist unmöglich, zumal man erschwerend in der zweiten Liga der Schweiz beheimatet ist. Die meisten Leser kennen den FC Basel, die beiden Züricher Clubs oder die Young Boys Bern, aber dann? Insgesamt schon 54 Jahre spielt der FC Schaffhausen in der sogenannten Challenge League, lediglich insgesamt neun Spielzeiten reichte es für das Oberhaus. Der Neubau des neuen Stadions sollte den Aufwärtstrend fortsetzen, das gelingt bislang aber nur mäßig. Es ist ein kleines, nettes Ding, direkt am Bahnhof Herblingen gelegen. Verkehrstechnisch mit Bahn und Auto hervorragend zu erreichen, nur will anscheinend niemand den LIPO Park erreichen. Der Zuschauerschnitt liegt nach acht Matches bei bescheidenen 1068, vor dem Duell gegen den Aufsteiger SC Kriens wohlgemerkt.

Es kam mir schon beim Aussteigen auf dem Bahnhof seltsam vor, wir waren nur drei Personen und das dreißig Minuten vor dem Anpfiff!

Es ist ein moderner Kasten. An der Vorderfront befinden sich ein Einrichtungszentrum, ein überdimensionales Fitnesscenter und zwei kleine Ticketschalter. Das Personal langweilte sich, auch ich hatte mein Ticket schon vorab zuhause ausgedruckt, mein ganzes Bargeld belief sich noch auf sechzehn Franken, es lag in der Schublade seit rund drei Jahren. Das musste reichen. Das eigentliche Stadion liegt somit hinter der Einkaufsmeile und ist somit etwas versteckt.

Die Kulisse war geisterhaft, fast wie bei einem "Geisterspiel". Es dürfte wohl der niedrigste Besuch seit Stadioneröffnung gewesen sein und das ausgerechnet bei diesem Spiel. Alles war etwas dürftig und leer. Dafür bekam ich mein Essen sofort. Der Hot Dog kostete 5.-- Franken, für den Kaffee durfte ich 4.-- berappen. Das Geld reichte also gerade so aus, beim zweiten Heißgetränk musste ich schon das vorher abgezählte Kleingeld hinlegen.

Drinnen war es noch leerer. Um es vorweg zu sagen, das Match hätte deutlich mehr Zuschauer verdient. Es war sehr unterhaltsam und bot immerhin fünf Treffer. Über die Spielstärke läßt sich schwer urteilen, der Kunstrasen ist letztlich für deutsche Fussballfans doch gewöhnungsbedürtig. Ich würde sagen, dritte deutsche Liga. Kriens führte schnell und verpasste das 0:2, Schaffhausen drehte bis zum Pausenpfiff die Begegnung und zur Pause hieß es dann 2:1. Auch im zweiten Abschnitt fielen dann noch Treffer. Diesmal glich Kriens aus und die Gastgeber antworteten fast postwendend mit dem 3:2 Endstand. 

Fazit: Es war ein schnuckliger Ausflug. Mit dem günstigen BaWü-Ticket kann man bis Herblingen fahren. Allerdings muss man vorher in Singen umsteigen. Eintrittskarten kann man nur mit Schweizer Franken bezahlen, ein Bankautomat ist in der Außenfassade des Grounds integriert. Ich bezahlte für einen Sitzplatz auf der Gegentribüne ( C-Bereich ) insgesamt umgerechnet 24.-- €. Es genügt aber auch ein Sitzplatz hinter dem Tor, der kostet 15.-- CHF, also ungefähr 13,50 €. Bei dem "Andrang" ist freie Auswahl. Tipp: Möchte man trotzdem unbedingt mal hinfahren, empfehle ich das Derby gegen den FC Winterthur. Das soll dann angeblich etwas mehr geboten sein.

Nun zum Schluß doch noch ein Blick ins Stadion, schließlich muss man ja seiner Informationspflicht nachkommen.

PS: Hier der Blick in "Fankurve" des FC Schaffhausen. Keine Sorge, es fehlen immerhin noch zehn Leute. Die standen bei den ebenfalls zehn Supportern aus Kriens, siehe Bild darüber. Beide Fanlager verbindet eine Fanfreundschaft. Daher auch der geteilte Zaunbanner; Kriens und ...Schaffhuusä, ebenfalls oben.

Kriens liegt in der Innerschweiz und ist der Nachbar zum übermächtigen FC Luzern. Deren Arena ist nur zwei Kilometer entfernt. Da ist der Aufbau einer Fanbase fast unmöglich, zumal noch in der Schweiz. Immerhin plane ich noch einen Besuch des FC Winterthur. Eine halbe Fahrstunde weiter. Deren Stadion ist noch "old school" und dort ist man Tabellenführer in Sachen Zuschauerschnitt, 3650 ist nicht schlecht.

Keep the faith

RaMü