Von 26,7 bis 73,1%
 
Hallo Bloggs. Auf der Website der österreichischen Bundesliga befindet sich etwas Ungeheuerliches. So etwas ist in unserem überkorrekten Deutschland undenkbar, die entsprechenden Verantwortlichen würden geteert und gefedert und aus dem Land gejagt werden. Dabei ist es nur eine Statistik. Aber auch solche banale Dingen sind in unserem Land mit Vorsicht zu genießen, selbst der Gedanke daran löst bei manchen Gutmenschen eine Herzattacke aus. Es geht um den prozentualen Anteil der Spieler mit österreichischem Paß.  Peinlich genau ist dabei bei jedem Verein der Bundesliga eben diese Zahl aufgelistet und was ist schon dabei? Zum ersten Mal ist mir diese Tatsache vor zwei Jahren aufgefallen, nun ist es das Thema dieser Post. Gleich daneben ist auch das Durchschnittsalter des jeweiligen Kaders aufgeführt, aber das ist ja normal und auch selbstverständlich. Es ist der sogenannte Österreicheranteil. Dieses Wort, das bei uns einen Aufschrei der Empörung auslösen und für eine Anzeige reichen, mindestens.
Also habe ich mühsam jeden Verein angeclickt und verglichen. "Tabellenletzter" in Sachen Österreicheranteil ist die Betriebsmannschaft des Brauseherstellers Red Bull mit Wohnsitz Salzburg. Lediglich 26.7%, also rund ein Viertel des Kaders hat die Staatsbürgerschaft der Alpenrepublik. Dafür hat man den jüngsten Kader, auch das gehört zur Wahrheit. Verwunderlich ist das alles nicht, die Finanzkraft verschaffte innerhalb der Liga einen solch großen Vorteil, der eine jahrzehntelangen Dominanz garantierte. Aber in den letzten drei Jahren wurde dieser Kreis endlich unterbrochen. Sturm Graz mit zwei Titeln in Folge und zuletzt der Linzer ASK konnten die Meisterschaft feiern. Das absolute Gegenteil ist der SV Ried in Oberlsterreich. Der kleine Verein aus dem Innviertel kann stolze 73.1% melden, Ligarekord. 
 
 
Als Beispiel habe ich meinen österreichischen Lieblingsclub rausgesucht. Rapid Wien ist irgendwo in der neutralen Mitte, mit 52.9%. Bei der Auflistung hat der TSV Hartsberg keine Angaben gemacht, warum auch immer. Vermutlich wird es aber bei den Clubs noch geringfügige Änderungen geben, das Transferfenster schließt am 07. September.
 
 
In den letzten zwanzig Jahren stemmte RB Salzburg vierzehn Mal die Meisterschale in die Höhe. Das Double war für den neureichen und in dieser Form erst seit 2005 existenten Club Pflicht. Hervorgegangen ist dieses Konstrukt aus dem SV Austria Salzburg. Dieser machte den Schritt nicht mit und gründete sich neu. Heute spielt das richtige Salzburg in der zweiten Liga und ist für traditionsbewußte Österreicher ein Vorbild. Ein Bild vom Spitzenspiel von den "Dosen" gegen Sturm Graz am 24. Oktober 2021. Selbst bei solch einem Spiel war der Oberrang geschlossen. 
 
 
Das komplette Kontrastprogramm ist der SV Ried. In der BWT oberösterreichischen Arena finden 7.336 Zuschauer Platz. Hier also sieht man die meisten Österreicher auf dem Platz, zumindest bei der Heimelf. Dieses Bild stammt aus der Coronazeit, es war der 21. Mai 2021. Gegner war die Austria aus Wien, ich bin mit dem Auto extra für diesen Kick hingefahren. Damals hatte jeder beim Eingang eine Coronaapp gezeigt, mit den aktuellen Impfungen. Das gab es in Deutschland zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ich zeigte einen Ausdruck, analog. Schließlich kam ich aus einem digitalen Notstandsgebiet. In Deutschland waren die Spiele noch unter Ausschluß der Öffentlichkeit.
Für die Saison 2026/27 gibt es eine kleine Neuerung in der Bundesliga von Österreich. Gespielt wird weiterhin mit zwölf Mannschaften, es gibt eine Hauptrunde mit bekannter Hin- und Rückrunde. Danach wird geteilt, in eine Champions- und Abstiegsgruppe, die Trennung erfolgt exakt in der Mitte der Tabelle.  Seither wurden die Punkte für diesen Saisonabschnitt halbiert, das entfällt. Man nimmt die Punkte einfach mit. 
Eröffnet wird die neue Spielrunde am Freitag, dem 31. Juli. Der Meister Linzer ASK empfängt den Grazer AK. Hier der erste komplette Spieltag. Leider bin ich zunächst nicht in Österreich, muss noch die Auslosung zur Champions League abwarten. Grins.
 
 
Keep the faith.
RaMü.