f.png)
British crime
Hallo Bloggs. Wer durch das TV Programm zappt, findet Krimiserien in allen Kanälen zu allen Uhrzeiten. Mord und Totschlag hat Hochkonjunktur, passend zur Realität auf der Welt. Wer meint, das gibt es nur in Deutschland, täuscht sich gewaltig. Woher kommen eigentlich die Krimis? Es gibt da ein Sprichwort "Was eignet sich mehr für einen Mord als ein englisches Schloß? Eine schottische Burg!". Genau, auf der Insel wurden die Kriminalromane groß und berühmt. Heute ist das Lesen eines Buches aus der Zeit und die Menschheit läßt sich berieseln. Ob beim TV oder per Streamingdienst, es wird gemeuchelt, erpresst, gestohlen, gedealt, vergewaltigt und gemobbt, was die Frequenz hergibt. Natürlich gibt es auch da Qualitätsunterschiede. Meiner Meinung nach. Und zumindest bei den Thrillern, dem Psychocrime, der Vernetzung von Dramen mit mehreren Handlungssträngen, da sind die Leute von der Insel Spitzenklasse. Oftmals mit klassischer Musik untermalt gibt es da deutlich weniger Action als beim US-Krimi, dafür mehr Tiefgrund und den wahrlichen Blick in den Abgrund der menschlichen Seele.
Und so bin auch ich ein Fan des Britcrime, ich fresse Bücher mit kriminalhistorischem Inhalt und konsumiere die Serien der Insel. Und hier nun meine persönlichen Favoriten, in loser Reihenfolge.
.png)
Also diese Serie ist mein absoluter Favorit, obwohl der Hauptdarsteller gewechselt hat. Aber trotzdem, Mord auf Shetland steht schon allein wegen der geografischen Lage ganz oben auf meiner Liste. Auf dem nördlichsten Zipfel des Königreiches liegt die Insel Shetland und verwaltungstechnisch gehört es natürlich zu Schottland. Atemberaubende Landschaftsaufnahmen, gepaart mit düsteren Familiengeschichten ergeben diesen Spannungsmix, welcher Einschaltquoten garantiert.
.png)
The Bay hat mich von Anfang an begeistert. Ich kann es nicht erklären. Auf jeden Fall war ich schon dort, in Morecambe an der irischen See. Da es im Februar war, konnte ich in der Innenstadt des 45.000 Einwohnerstädtchens schon ein wenig der Hoffnungslosigkeit spüren, mit der der einstige Urlaubshotsport heute kämpft. Auch in der realen Kriminalitätstatistik nimmt Morecombe einen Spitzenplatz ein, es wird auch als "worst coastal town" bezeichnet. Unterm Strich also alles sehr wirklichkeitsnah.
.png)
Inspector Grace ermittelt in Brighton ganz unten an der Südküste und man darf es schon unter der Rubrik Thriller einordnen. Nicht unbedingt wegen der Grausamkeit, sondern in Bezug auf Spannung und Handlung. Zusätzlich belastet den Inspector noch das unaufgeklärte Verschwinden seiner Frau, während sein Kollege Branson mit Eheproblemen kämpft.
.png)
The Chelsea Detective kann man ruhig als "cozy crime" bezeichnen. So umschreibt man die ruhigere Ausgabe dieser Filme. Auch im noblen Londoner Stadtteil Chelsea geschehen Verbrechen, auch das gehobene Establishment hat Dreck am Stecken. Wie überall überzeugt diese Serie mit tollen Aufnahmen und gelungener Hintergrundmusik. Es wird gemächlich ermittelt, ab und zu ein Schuß Familienstreit und fertig ist der "cozy" Krimi. Wer einen entspannenden Abend vor der Glotze verbringen will, auf nach Chelsea.
.png)
Nicht weit von London ist Oxford, eine der beiden bekanntesten Universitätsstädte neben Cambridge. Diese Reihe mit dem schlichten Titel Lewis hat mich so begeistert, dass ich mal für drei Tage dort war und die Drehorte zum Teil besucht habe. Zeitlich sind die Krimis so ab 2005 angelegt, leider wurde 2015 die Serie eingestellt. Hauptdarsteller Kevin Whateley gab nach über dreißig Drehjahren im Beruf seinen Abschied bekannt. Schade. Solche intelligente Krimis sieht man selten.
.png)
Richtig eng verknüpft mit Lewis ist die alles überragende Serie Der junge Inspector Morse. Im Prinzip ist es die Vorgeschichte zu Lewis, der als blutjunger Polizist ebenfalls in Oxford seine Karriere begann. Besonders spannend ist dabei die Zeitreise durch rund fünfundzwanzig Jahre, beginnend im Jahre 1965. Es ist faszinierend, wie sich alles im Lauf der Jahre ändert. Die Wache wird umgebaut, Vorgesetzte wechseln, die Musik, die Mode und nur eines bleibt, das Verbrechen. Nach 36 Episoden wurde eine der beliebtesten Krimiserie der BBC eingestellt, Schauspieler Shaun Evans fühlte sich am Ende schlichtweg zu alt für diese Rolle.
a22.png)
Auch Inspector Banks ermittelt nicht mehr. Schade, schließlich spielten sich all die Gewaltverbrechen in Yorkshire ab, neben Leeds gab es auch tolle Landschaftsaufnahmen. Banks ist ein Einzelgänger, geschieden. In sich verschloßen, fast genauso abgestumpft wie die Verbrecher, geht er mit sich und der Umwelt hart ins Gericht. Manchmal für mich eine Spur zu düster, zu deprimierend.
.png)
Broadchurch spielt an der Südküste und verbindet atemberaubende Landschaftsaufnahmen mit der Entwicklung von Mißtrauen und Verdächtigungen. Die Ermordung eines kleinen Jungen wühlt eine Kleinstadt auf, die bisherige Gemeinschaft innerhalb der Gemeinde beginnt zu bröckeln. Nach und nach werden die Risse größer und auch die Medien tragen ihren großen Anteil dazu bei. Eine Serie, welche mit erhobenem Zeigefinger fast auf sich selbst zeigt und die mögliche negative Entwicklung der digitalen Welt anprangert.
.png)
Also Inspector Barnaby kennt in Deutschland fast jeder. Schließlich läuft diese Serie hier in der Endlosschleife. Selbst der Wechsel der Hauptdarsteller wurde perfekt gelöst, Barnaby ist und bleibt die Nummer eins auf der Insel. Am Anfang war ich ein großer Freund, aber irgendwie wurde mir der Klamauk dann zu groß. Der Münsteraner Tatort läßt grüßen, nur deutlich schrilliger. Inspector Barnaby heißt es in Deutschland, auf der Insel dagegen "The Midsomer Mysteries". Das habe ich persönlich erfahren. Meine ganz entfernte Verwandschaft konnte bei einem Besuch in meinem trauten Heim mit Barnaby zunächst nichts anfangen, aber irgendwann fiel der Groschen. "Ach, du meinst "The Midsomer Mysteries". Midsomer ist die fiktive Grafschaft, in der Barnaby lebt. Meine ich doch die ganze Zeit.
.png)
Wales gehört bekanntlich auch zu Großbritannien. Im Zuge der Gleichberechtigung darf Inspector Mathias hier rumschnüffeln und deckt dabei finsterste Abgründe auf. Wer diese Sendungen sieht, wird auf keinen Fall dort Urlaub machen. Alles wirkt so ärmlich, jeder hat irgendwie ein mehr oder weniger großes Problem. Das macht auch vor dem Inspector nicht halt. Man muss es mögen, mir fehlt ab und zu eine gewisse Leichtigkeit. Drama pur.
a22.png)
Bei dieser Miniserie ist allein die Tatsache, dass eine ehemalige Polizistin das Drehbuch geschrieben hat, schon rausragend genug. Geschickt verknüft The Tower den Alltag von Streifenpolizisten in einem sozialen Brennpunkt zu einer Staffel, welche einige Fragen offen läßt. Manchmal verschwimmen die Abgrenzungen zwischen Gesetz und Verbrechen. Ab und zu steht das Prinzip der Loyalität innerhalb "der Truppe" über den moralischen Ansprüchen. Die Reibungspunkte reichen vom Generationenkonflikt, über Rassismus bis zum Hinterfragen des eigenen Gewissens. Es geht weniger um Action, es geht um die Auslegung von Law & Order. Um mehr und nicht weniger.
a22.png)
Ebenfalls relativ frisch ist Inspector Lynley & Sergeant Havers. Stimmt nicht ganz, es wurde nur neu aufgelegt. Zuletzt gab es eine Staffel mit vier Folgen, erst 2025 gedreht. Die Erstlinge sind über zwanzig Jahre alt, nun gibt es nach einer längeren Pause eine personelle Auffrischung, die Handlung wurde ins ländliche Norfolk mit städtischem Schwerpunkt Norwich verlegt. Ich finde den Einstieg gelungen und hoffe auf weitere Staffeln.
Abschließend möchte ich nochmals anmerken, dass die aufgeführten Serien meine persönlichen Favoriten sind. Zumeist sind diese mit deutlich weniger Action verbunden, es geht mehr in die Richtung Psycho. Natürlich gibt es auch krachende Ausnahmen, ohne Zweifel. Zum Abschluß haben aber alle eines gemeinsam. Bei den männlichen Ermittlern ist Krawatte anscheinend Pflicht. Die Mädels sind zumeist richtig herausgeputzt. Wenn ich da an Faber & Co denke ...
Wenn man so viele englische Krimis sieht, bekommt man auch die Dienstränge mit. Alles bei der Kriminalpolizei fängt alles mit Detective an. Die unterste Stufe ist der DC, Detective Constable. Dann folgt der DS, Detective Sergeant. Nächste Stufe auf der Karriereleiter wäre dann der DI, Detective Inspector. Könnte eventuell dem deutschen HK, Hauptkommisar entsprechen. Dienstellenleiter ist zumeist ein DCI, Detective Chief Inspector, der Name sagt alles.
Bei den uniformierten Kollegen ist alles ähnlich, nur dass eben anfänglich Police steht. Der PS ist ein Polizei Sergeant, bei den Uniformen gibt es kleine Unterschiede. Aber das alles zu erläutern wäre zu aufwendig.
Der Bobby ist eine ältere, allgemeine Bezeichnung und heute kaum noch gebräuchlich. Zu den Zeiten des Schwarz-Weiß Fernsehens gab es die berühmten Edgar Wallace Verfilmungen, welche das Bild des britischen Polizisten bis heute geprägt haben.
Keep the faith.
RaMü.
Nächste Post: Arena Stuttgart. 12.03.2026