.png)
Pittodrie Stadium, Aberdeen. Donnerstag, 27. November 2025
Hallo Bloggs. Auftakt zum Dreimatchtrip in Schottland. Aberdeen. So weit im Norden war ich noch nie, zumindest auf der Insel in Sachen Fussball. Dundee ja, aber Abderdeen sind nochmals etwa 100 Kilometer weiter. Leider komme ich nicht zu einem Kick der Scottish Premiership, sonder "nur" zu einer Begegnung der Conference League. Und da sieht es schlecht aus für die "Dons" aus der Hafenstadt. Ein kümmerliches Pünktchen hat man bisher auf dem Konto, nach drei Spielen. Will man tatsächlich noch die nächste Runde erreichen, muss gegen den FC Noah ein Sieg her. Der armenische Meister ist etwas besser drin, vier Zähler immerhin. Und es dürfte frisch werden, Spiele im Winter sind im Pittodrie Stadium kein Vergnügen. Der Ground ist nur 600 Meter von der Nordsee entfernt. Real Scotland, bei 25 Grad plus kann jede Memme!

Rund dreizehn Stunden dauerte in Anfahrt von meiner Haustüre bis zum Spielbeginn in Aberdeen. Mit dem Zug zum Airport Frankfurt. Mit der Lufthansa nach Glasgow, mit dem Bus in die Stadt. Abfahrt von der Queen Street Station und per ScotRail nach Aberdeen und dann die eine Meile zum Hotel. Einchecken, kurz Füße hochlegen. Zum Pittodrie Stadium erneut zu Fuß, etwa 35 Minuten. Endlich war ich da, und es hat sich gelohnt. Zumindest der Ground ist allerbeste britische Stadionkultur und ein Leckerbissen für Traditionalisten.
Hab noch genügend Zeit gehabt und bin dann auf einen künstlichen Hügel hoch, Panoramafoto vom Ground. Man hat sich einiges einfallen lassen, um dem Match eine Art Endspielcharakter zu verleihen. Die Anfahrt mit den "Öffis" war kostenlos, das ist auf der Insel nicht üblich. Man lockte die Leute mit "Black Friday Angeboten" und es gab sogar ein offizielles Feuerwerk.
Aberdeen brauchte dringend den ersten Sieg in der Conference League und die Gegner heißen FC Noah und Strasbourg daheim, Sparta Prag auswärts. Sieben Punkte waren das Ziel und der armenische Meister FC Noah der namentlich leichteste Gegner. Zumal daheim. Aber es wurde nichts daraus, dieses 1:1 reichte einfach nicht. Während des Spieles habe ich mich nach dem Sinn der Conference League gefragt. Es war ein äußerst mittelmäßiges Match, man war weit entfernt von den so vielfach angepriesenen magischen Europapokalnächten. Die Gäste kamen im ersten Spielabschnitt zu keinem einzigen Torabschluß und die "Dons" beherrschten das Spiel mit bescheidenen Mitteln. Es genügte anscheinend und als sich alles schon auf den Pausentee freute fiel dann letztlich doch noch das verdiente 1:0 für Aberdeen. Es war einer der wirklich wenigen gelungenen Angriffe, schwupp ins kurze Eck und endlich jubeln.
Der FC Noah zeigte aber mit dem Seitenwechsel ein anderes, viel besseres Gesicht. Jetzt wurde man mutiger, offensiver und zielstrebiger. Und es dauerte nicht lange, da fiel das 1:1. Die Abwehr der Hausherren bestätigte den schlechten Ligatrend und in der 52. Minute ließ man sich fast tölpelhaft aushebeln. Das war zu einfach. Der Gegentreffer zeigte Wirkung und man brauchte schon so zehn, fünfzehn Minuten um sich aufzurappeln. Zahlreiche Wechsel brachten neuen Schwung und neue Power. Aber die spielerischen Mittel blieben bescheiden und lediglich ein Treffer ans Außennetz sorgte nochmals für kurzen Jubel. So blieb es beim 1:1. Den Gästen konnten mit diesem Zähler weitaus besser leben. Sie flogen 3.500 Kilometer und überquerten vier Zeitzonen, zum Schluß wäre eventuell sogar noch ein Dreier dringewesen. Für Aberdeen bedeudet dieses Unentschieden im Prinzip das Aus, völlig verdient. Der schottische Pokalsieger hat in dieser Saison seine Schwierigkeiten und das war nun wirklich nicht zu übersehen.
.png)
Man sieht hier nochmals, die Nordsee ist nicht weit. Vielleicht fünfhundert Meter. Dementsprechend ist auch das Wetter. Es war zwar windig, aber trotzdem angenehme elf Grad und immerhin trocken.

Mein erster Anblick von der Merkland Road aus. Alles irgendwie gediegen, etwas altbacken. Mit anderen Worten: die Tradition lebt hier.

Ein Relikt aus "uralten" Zeiten; die Zugangsseite für die Heimfans.

Rum ums Eck, zur Ecke Pittodrie Street. Hier erklärt sich auch der Stadionname. Bislang scheint man im Norden Schottslands noch ohne die Zusatzgelder für die Vergabe der Namensrechte auszukommen.

Tradition lebt in jedem Backstein. Was haben diese Gemäuer alles gesehen! Aberdeen war mal richtig gut im schottischen Fussball. Ist schon lange her. Erst der überraschende Pokalsieg 2025 beendete eine lange, lange Durststrecke.

Der Broad Hill scheint mir künstlich angelegt. Auf jeden Fall stand ich da unten, bei der größten Tribüne des Grounds. Ein schneller Entschluß, hinauf und ein Bild machen. Die fünfzehn Minuten haben sich gelohnt, zumindest für mich.

Der erste Blick in das Stadion vom praktischen höchsten Platz aus. Der Richard Donald Stand überragt das ganze Stadion und der Weg hinauf auf die obersten Plätze können für manche ungeübte Leute eine Herausforderung darstellen. Auf jeden Fall hat man hier fast freie Auswahl, ganz voll wird es hier vermutlich nie.

Die gegenüber liegende Seite an der Merkland Lane gehört den Heimfans. Es gibt da sogar eine Ultra Gruppierung. Das sind zumeist Jugendliche, welche sich anscheinend an der deutschen Szene orientieren. Also besonders laut waren die nicht, könnte aber auch an meinem wirklich überhöhtem Platz gelegen haben.

Auf jeden Fall gab es ein Feuerwerk. So ganz offiziell, so richtig mit Genehmigung und so. Es war nett. leider blieb das sportliche Feuerwerk der Heimmannschaft aus.

Nochmals die Ultras. Ganz in Schwarz, wie es sich gehört. Man wollte pushen und Stimmung schaffen für den ersten Sieg, leider blieben die Bemühungen umsonst. Laut wurde es nur, wenn das ganze Stadion einstimmt. 15.060 Zuschauer waren weniger, als noch vor vier Tagen als man den Tabellenführer Heart of Midlothian schlug.

Auch das ist Conference League. Die Gästefans aus Armenien. Ich vermute einfach, es waren auch Leute darunter, welche in Schottland wohnen. So richtig gesungen und supportet haben nur etwa zwanzig Figuren, der Rest war halt dabei.

Es war der erste wirkliche Aufschrei und zugleich endlich mal so richtig Stimmung. Das 1:0 kurz vor der Pause. Endlich, endlich Sound. Alles stimmte irgendein Vereinslied an und es war echt gut. Leider war es das dann auch, der Halbzeitpfiff würgte alles ab. Die zweite Halbzeit war richtig mies, so auch die Atmosphäre. Es kam nichts mehr und daher gibt es auch kein Bild mehr. War einfach Schluß.
Keep the faith.
RaMü.
Nächste Post: Fir Park, Motherwell, 29.11.2025