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Steel City: Sheffield Wednesday FC
Hallo Bloggs. Steel City, was für ein Name. Früher eines der industriellen Zentren Englands, heute zeugt nur noch der Name vom einstigen Ruhm. Die Hochöfen sind längst erloschen, das Zeitalter der Schwerindustrie abgeschlossen. Seit rund vierzig Jahren kämpft die 600.000 Einwohnerstadt mit den Nachwirkungen, so langsam hat man sich aber berappelt.
Vor dem Spiel des VfB bei Celtic Glasgow hatte ich in Sheffield einen vollen Tag "frei". Ich war schon mehrmals dort und kenne daher die Stadt etwas. Auf jeden Fall gibt es zwei Fussballvereine und das "Steel City Derby" gehört zu den unbekannteren Stadtduellen. Leider gibt es das nicht mehr so oft, ab und zu trennen sogar zwei Ligen die Stadtrivalen. In dieser Saison aber hat es wieder geklappt. Leider muß Sheffield Wednesday wieder runter, und zwar recht "spekatakulär". Insgesamt wurden 24 Punkte abgezogen, wegen finanzieller "Verfehlungen". Schließlich ist der Verein aus der Norden Sheffield's seit Jahren in unruhigem Fahrwasser, es ist eine Achterbahn der Gefühle. Trotzdem starten wir bei den "Owls".
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Der öffentliche Nahverkehr in Sheffield ist hervorragend ausgebaut, die Schwerlast trägt dabei die sogenannte Supertram. Insgesamt gibt es vier, farblich unterschiedliche Linien. Will man in das Hillsborough Stadium von Sheffield Wednesday, kann man vom Zentrum die gelbe Linie nehmen. Direkt vom Hauptbahnhof geht nicht. Castle Square und Cathedral sind auch das pulsierende Herz der Stadt und dann geht's in die Außenbezirke. Seltsamerweise liegen beide Clubs an den jeweiligen "Outskirts", jeder hat seinem eigenen Bereich.

Die nahegelegenste Station ist Leppings Lane. Alles wirkt schon fast ländlich, ruhig. Das Stadion ist nur ein Katzensprung entfernt und zugleich jedem wirklich interssierten Fussballfan bekannt. Die Tragödie von Hillsborough beschäfte jahrzentelang die britische Öffentlichkeit. Im April 1989 ereignete sich hier die größte Katastrophe im englischen Fussball, insgesamt kamen 97 Menschen ums Leben, 766 wurden verletzt. Ich will dieses Thema nicht weiter ausbreiten, das Netz ist voll mit Informationen.

Auf den ersten Blick scheint sich nicht viel verändert zu haben, der Ground wirkt wie ein Überbleibsel aus dieser Zeit. Wer noch echte englische Stadionbaukunst erleben möchte, die Steel City bietet zwei sehr gute Ausflugsziele.

Der Eingang über den River Don führt zur besten Seite des Grounds. Oder zumindest zur Haupttribüne, hier wurde kräftig aufgepeppt. Aber das alles ist auch schon einige Jahre her und hat mit den heutigen neuen Komplettprotzbauten nur wenig gemeinsam.

Entlang der East Stand geht es zum Megastore, inklusive Ticket Office. Auch hier wieder die typisch kleinen Einlaßtüren, mancher übergewichtige Fan kommt da ins Schwitzen.

Deutlich sieht man die verschiedenen Tribünen. Diese Ecke ist offen, rechts dann der Fanshop. Man sieht natürlich, es war kein Spiel. Auf finde ich toll, dass man sich auch im digitalen Zeitalter die Mühe mit den Hinweißschildern für das nächste Heimspiel noch macht. Das ist Tradition pur.

Der Fanshop ist rießig. Also davon können sich die meisten Bundesligisten was abschauen. Die Auswahl war unglaublich, man setzt aufgrund mangelnder sportlicher Erfolge voll auf die Karte Tradition. Mehr bleibt auch nicht.

Zum Abschluß dann der Weg zurück zur Tramhaltestelle. Das Stadion ist eingebettet zwischen zwei Wohnblöcken, vorne und hinten bilden Straßen den Abschluß. Trotzdem wirkt es nicht ganz so eingepfercht, zumindest an einem Nichtspieltag.
So rund eine Stunde habe ich bei Sheffield Wednesday verbracht. Es war wie eine Zeitreise zurück in meine Jugend, als wir oft bis öfters auf der Insel waren. Es war die Hochzeit der britischen Hooligans, es war aber auch das Jahrzehnt der Katastrophen. Zugleich bildete es den entscheidenden Einschnitt in der britischen Fussballfankultur. Die Exzesse führten zu einem Umdenken. Es folgte nach und nach das totale Stehplatzverbot, die Einführung des Ticketvorverkaufs und Registrierung der Käufer. Die Fans auf der Insel schaufelten sich ihr eigenes Grab, es führte zum Aussterben der berühmten Stadionatmosphäre. Heute ist es nur noch ein Abklatsch von früher. England darf als warnendes Beispiel auch für Deutschland gelten, so kann es gehen. Hoffentlich nicht.
Danach wieder zur Haltestelle Leppings Lane und zurück quer durch die "Steel City", zu Sheffield United.
Keep the faith.
RaMü.