MHP Arena, Stuttgart.  Donnerstag, 11. Dezember 2025.
 
Hallo Bloggs. In diesem Spiel wird es exotisch und politisch zugleich. Ich kann mich an eine solche Paarung, oder ähnlich nicht erinnern. Mit Maccabi Tel Aviv zeigt sich das Verändern der Weltkarte und somit auch die neuen Begebenheiten im Weltfussball. In der CL fliegen Teams 3.500 Kilometer weit für ein Spiel, da ist der israelische Verein doch nur ein Katzensprung entfernt. 
Vergessen wir das Drumherum, konzentrieren wir uns auf das sportliche Lage. Es ist ein Heimspiel und daher ein Sieg Pflicht. Zumal Maccabi nur einen Zähler aus funf Partien erreicht hat und die weitaus schlechteste Tordifferenz ( -13 ) vorweisen muss. Mit dem notwendigen Ernst und Einstellung sollte es dann auch mit dem Dreier klappen. Das Erreichen der nächsten Runde ist Pflicht.
 
 
Also wenn man diese Paarung beschreiben und einordnen will, muss man es in zwei Blöcke teilen. Da ist der sportliche Aspekt und dann das Drumherum. Also der erste Part ist etwas kürzer und auch schneller erfasst.
Mit diesem Sieg hat der VfB Stuttgart seinen dritten Heimsieg in der Europa League geschafft, mit nunmehr zwölf Zählern sind die Aussichten auf ein Aufrücken in die Play Offs zum Achtelfinale sehr gut. Mit zwei Siegen in den letzten beiden Begegnungen ist sogar die direkte Qualifikation drin. Heißt, man darf eine Runde aussetzen und bekommt trotzdem Cash. Das allerdings scheint mir doch eher Wunschdenken, denn was da zeitweise gegen Tel Aviv auf den Rasen fabriziert wurde, war dann etwas zu dürftig. Ok, drei Punkte waren das Hauptziel und die wurden erreicht. Aber hat man schon dran gedacht, dass am Ende eventuell das Torverhältnis entscheidend sein kann? Nach dem 3:0 durch Mittelstädt per Elfmeter (!) haben alle im Ground auf ein Schützenfest gehofft und wurden mäßig enttäuscht. Im Gegenteil. Die Hausherren verfielen in alte Muster und leider gehört unser Schlußmann im Moment auch dazu. Seine Leistungen der letzten Wochen sind fragwürdig und dürften die Diskussionen über seine Zeit ab Sommer 2026 weiter anheizen. Gewiss, die Auswechslungen waren verständlich, schließlich geht es am Sonntag ja bei Werder Bremen wieder um Bundesligapunkte. Aber dass man ungefähr zehn Minuten so ins Zittern kommt, nach dem 3:1 Anschlußtreffer brannte der Baum für kurze Zeit, das ist gegen diesen Gegner einfach unaktzeptabel und zeigt schlicht und ergreifend einfach, dieser VfB ist keine Spitzenmannschaft. Schon gar nicht international. Dabei schien nach anfänglichen Schwierigkeiten der Knoten geplatzt, Assignon erzielte nach einer wirklich guten Kombination über Führich und anschließender Flanke von Mittelstädt per Direktabnahme das 1:0 und kurze Zeit später gar ein Zauberstückchen im Sechzehner, Undav legte dann trotz bester eigener Position auf und Tomas knallte das Leder zum 2:0 unter die Latte. Der Bann schien gebrochen, doch den Roten fehlt der Killerinstinkt. Immerhin konnte Geburtstagskind Vagnoman in der Nachspielzeit noch das 4:1 markieren, ein doch noch freudiger Abschluß dieses Matches.
Für alle Besucher dürfte das Spiel in besonderer Erinnerung bleiben. Die Aufregung vor diesem Spieltag war groß und man zog alle Register, gewollt oder ungewollt. Ja, auch ich stand wegen der verschärften Eingangskontrollen etwa 45 Minuten vor dem Haupteingang beim Fanshop. Geduldig und verständnisvoll waren alle Leute um mich herum. Einer meinte gar, "I schteh dr ganze Dag am Band, des isch die reinschde Erholung". Vor dem Spiel habe ich auf der Mercedesstraße keinen (!) einzigen Polizisten gesehen. Keine Scharfschützen auf dem Dach, keine Checkpoints mit Sandsäcken verstärkt, keine S-Drahtrollen, keine Schützenpanzer. Keine tieffliegenden Hubschrauber mit eingeschaltetem Suchscheinwerfer. Ich war enttäuscht. Ironie off. Was die Leute und mich richtig auf die Palme brachten, war der Zusammenbruch der Stadionversorgung. Da will man, dass die Leute früher ins Stadion kommen und dann gibt es nur noch ... nichts. Dass Alkoholverbot war, Schwamm drüber und gerade noch verständlich. Wenn aber eine gegrillte Rote ein Sicherheitsproblem ist, dann wird es schon bedenklich. Und dann erst die Gerüchte. Angeblich hat der Zoll den Caterer durchsucht und festgestellt, dass viele Mitarbeiter nicht gemeldet sind. Das böse Wort von Steuerhinterziehung machte die Runde. Und so habe ich zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder diese Zuckerbombe namens Spezi in mich hineingekippt. War halt so. Trotzdem, Klepperlesclub.
Und dann noch unsere Ultras! Also jetzt muss ich vorsichtig werden. Ich habe allergrößten Respekt vor unseren Gruppierungen, was die leisten und einbringen. Aber in letzter Zeit macht sich da so ein Trend breit. Wenn mir was nicht passt, geh ich einfach nicht hin. Dieses Vorgehen verpacke ich als Boykott und so umgehe ich die eventuelle Konfrontationen. Ich war nirgends dabei, weder an der Grenze zu Serbien noch in Deventer. Ich bin nur ein alter, weis(s)er Mann. Wir wurden zu Zeiten des kalten Krieges in Prag und Zagreb durch die U- und S-Bahnen gejagt, wir hielten die Stellung zumeist in den Stadien hinter dem damaligen eisernen Vorhang. Wir wurden bei der Einreise in die CSSR mit der AK47 im Anschlag begrüsst und durchsucht und sind trotzdem nach Trnava. Heute bleibt man schon bei Heimspielen fern, dazu fällt mir nichts ein. 
Man kann es drehen und wenden wie man will, die Stimmung hat gelitten. Mit dem CC97 war lediglich eine Ultragruppe da, die haben alles gegeben. Aber es gab Momente; "we are in Library".
Meiner Meinung nach hat sich diese Sache mit den Europaauswärtsfahrten in so drei bis fünf Jahren eh erledigt. Entweder die UEFA drückt das Kontingent der Auswärtsfahrer auf noch weiter überschaubarere 2 bis drei Prozent runter oder verbietet den Verkauf komplett. Das wäre doch die einfachste Lösung. Dann kommt auch keiner. Die jeweilige Polizei kann Übersunden abbauen und überhaupt, die Welt wäre so etwas friedlicher. Ein Verbot genügt und dann gibt es auch wieder Bier und ne' Wurschd im Stadion.
 
 
Nur noch etwa 35 Minuten. Alles war ruhig und geduldig. Man diskutierte mit den Nachbarn, machte Scherze und einer erzähle von den Einlaßkontrollen in Istanbul. Dagegen sei das hier alles Lillepalle.
 
 
Dieser Zustand war der eigentliche Skandal. Da will man, dass die Leute eine Stunde NOCH früher ins Stadion kommen und dann das. Manche hören früher bei der Arbeit auf, fahren direkt ins Stadion, stehen 45 Minuten an und kann das:
 
 
Angeblich gab es irgendwo "unten" eine funktionierende Fritteuse. Die wenigen Leute mit der Tüte wurden bestaunt wie bestürmt; "wo gibt's des?".  Ein Rückfall in alte Zeiten.
 
 
Wenn der IT-ler nicht da ist, oder daheim isst ...., dann kommt der gute, alte Edding zum Einsatz. Also echter Glühwein kann es dann auch nicht gewesen sein! Da ist jedes Bezirksligaderby besser organisiert. 
 
 
Isrealische Fahnen im Stadion sind schon ein ungewöhnlicher Anblick. Moderne Fußballwelt. 
 
 
Ab und zu klappte es dann doch ganz gut. Danke an alle, die da waren.
 
Keep the faith.
RaMü.
 
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