"In Flanders Fields the poppies flow, between the crosses, row on row, ... "
 
Hallo Bloggs. Weite Teile Flanderns waren zerschossen und zerbombt. Im Frühjahr 1915 verlor ein kanadischer Stabsarzt einen Freund und schrieb daraufhin ein eindringliches Gedicht. Unter anderem beschrieb es die wundervolle Pracht des Klatschmohns, welcher auf dem zerfurchten Gelände blühte, allem Schrecken und der Zerstörung zum Trotz. Das war der Ursprung für eine Kampagne, welche sich immer weiter entwickelte. Das Symbol der "poppies" wurde weltweit berühmt, auf der Insel erst recht.
Messines ist mit seinen etwa 1000 Einwohnern die kleinste Stadt Belgiens und beherbergt ein bekanntes Denkmal zum Thema Weihnachtsfrieden 1914. Auch das ist ein weiterer Stop bei unzähligen Bustouren über die "Flanders Fields".
 
 
Unweit liegt das Städtchen Ypern. Auch dieser Name ist den Geschichtskundigen ein Begriff, hier kam es zum ersten Gasangriff der Kriegsgeschichte überhaupt. Die deutsche Seite setzte diese Waffe zum ersten Mal ein, mit bescheidenem Erfolg. Gegolten hatte dieser Angriff einem englischen Regiment aus Yorkshire. Inmitten eines heutigen Industriegebietes liegt heute eine kleine, übersichtliche Rekontruktion der Stellungen.
 
 
Überall entlang der Frontlinie finden sich zahlreiche Denkmäler und natürlich Friedhöfe. Und da wird einem bewußt, dass das gesamte englische Empire im Einsatz war, mit dem Kriegseintritt der USA 1917 wurde es dann endgültig zum ersten alles umfassenden Weltkrieg. Auffälligstes und in meinen Augen ein wenig zu kitschiges Denkmal ist der Erinnerungsort einer walisischen Brigade. Der "Welsh Dragon" wirkt aufdringlich, wenn nicht sogar wie ein überdimensionales Plastikspielzeug. Etwas mehr Demut hätte vielleicht gut getan. 
 
 
Deutlich besser dagegen hat mir dieser Gedenkgarten einer irischen Brigade gefallen. Es war schlichter, mit seinen dunklen Steinen passte es auch mehr in die Landschaft. Ich habe nicht alle besucht, es waren schlichtweg zu viele. Neuseeländer, Australier, Inder und Pakistani, das gesamte britische Weltreich mobilisierte und konzentrierte sich hier.
 
 
Die deutsche Erinnerungskultur ist das zurückhaltender. Es gibt kaum Leute, die sich, wenn überhaupt mit dem ersten Weltkrieg befassen. Der zweite große Krieg ist da schon präsenter, Adolf und so. Aber auch dieser war hier im Einsatz, und zwar in einem bayerischen Regiment hier in der Gegend. Zufällig bin ich auf diese Tatsache gestoßen, es gibt sogar eine Hinweistafel. Der sogenannte "Bayernwald" ist heute eine ebenfalls rekonstruierte Stellung auf einer Anhöhe in einem Wäldchen. Der Eintritt in das umzäunte Gelände kostet 5,-- €, man muss an der Drehtür einen QRcode vorzeigen. Diesen erhält man entweder fünf Kilometer weiter in einer Touristinfo oder lädt sich per App vor Ort runter. 
 
 
Drinnen lohnt es sich echt. Irgendein belgisches Institut hat fachgerecht die Gräben, Schächte und Bunker erkundet und nachgebaut, wobei die Betonklötze der Bunker noch Orginale sind. Seltsamerweise hatten nur die Deutschen Beton verwendet, die britischen Truppen gruben dafür tiefer und arbeiteten mehr mit Holz. 
 
 
 
Damit soll nun aber genug sein, wir sind etwas vom Thema abgekommen. Sollte sich also jemand um den 11. November rum in Großbrittanien oder gar Kanada rumtreiben, werden einem irgendwann diese Erinnerungen an den Remembrance Day auffallen. Viele Leute spenden dann und tragen diesen Poppie zumeist an der Jacke. Lest we  forget, hoffentlich auch in Deutschland. 
 
 
Keep the faith.
RaMü.
 
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