
Hastings
Hallo Bloggs. Jedes einigermaßen gut erzogene Kind kennt dieses Datum, zumindest das Jahr. 1066. In diesem Jahr landete der Normannenkönig Wilhelm dort und gewann die Schlacht gegen den angelsächsischen König Harlad II. Damals kämpfte man noch an der Spitze seines Heeres und mit dem Tod des englischen Königs begann die Herrschaft der Normannen über England. Natürlich blieb es nicht bei dieser einzigen Auseinandersetzung, aber Hastings war der Schlüssel zum Erfolg oder Mißerfolg, je nach Sichtweise.
Deshalb ist Hastings auf der Insel ein Begriff, zumindest dem Namen nach. Nur eine halbe Stunde braucht man von Eastbourne dorthin mit dem Zug und der erste Anblick ist ernüchternd. Alles wirkt etwas trostlos und na ja, heruntergekommen. Ein kleines Einkaufscenter hübscht das Ganze etwas aus. Schnell ist man am Wasser und hier ist es schöner. Fünf Kilometer lang ist der Kiesstrand und wesentlich breiter. Hasting ist attraktiv, aber nur in der Altstadt. Hier schlägt noch das Herz des alten Englands, zumal die Fischerei heute noch ein wesentlicher Bestandteil des Berufslebens ist. Die hohe Burg über der Stadt ist mit zwei Zahnradbahnen zu erreichen. Sie wurde von Wilhem zur Sicherung seiner Macht errichtet und ist Teil eines weitläufigen Parkes. Und so ist Hastings zweigeteilt, in den nüchternen, zweckmäßigen Teil und den historischen Abschnitt. Dieser wird im Sommer von zahlreichen Touristen bevölkert, welche auf der ständigen Suche nach dem alten England sind.

Es ist nur ein kurzer Fußmarsch vom Bahnhof zum Strand. Der Blick öffnete sich für die Ferne und urplötzlich kehrt innere Ruhe ein.

Ab diesem Punkt beginnt der nettere Teil. Hastings war schon recht früh eine Siedlung mit Hafen. Nach und nach verlor man aber an Bedeutung. Erst das Aufkommen des Tourismuses bescherte einen Aufschwung im 18. Jahrhundert, der Bauboom begann. Die Stadt liegt zwar direkt am Kanal, aber unmittelbar dahinter muss man die Klippen überwinden. Links oben die Überreste der normannischen Burg, darunter die Hotels aus der großen Zeit der inländischen Seebäder.

Und ab hier taucht man so richtig ein in die alte Zeit Englands. Verwinkelte Gässchen, die typischen roten Backsteinhäuser und die Hütten der Fischer geben dieser Ecke der Stadt ein besonderes Flait. Ok, es war Anfang Januar und es verirrten sich nur ganz wenige Touristen und Neugierige hierher.

Bodenständig, ursprünglich und derb ist es hier. Man lebt vom Fischfang und auch vom Verkauf des Fanges. Wer kennt das nicht? An der See verzehrt man auch ein Fischbrötchen, hier ist es ebenso. Zahlreiche Fish&Chips Läden gibt es, allerdings nur wenige sind "our of season" geöffnet.

Hastings besitzt keinen klassischen Hafen. Die Fischerboote werden daher immer an Land gezogen. Wenn die Flut kommt, ist der Strand relativ schmal. Dann wird das Auslegen der Fischernetze zum Problem. Diese müssen nämlich immer wieder getrocknet und repariert werden.


Und deshalb hat man eine praktische Lösung gefunden. Im Hintergrund sieht man die die hochen, schwarzen Netzhütten. Hier werden seit Jahrhunderten die Netze aufgehängt. Dieser Bereich gehört zum dazugehörigen Museum, der Eintritt ist kostenlos.

Die eigentliche Altstadt ist wundervoll. Es gibt mehrere Straßen und diese Fußgängerzone. Also während des Sommers dürften sich hier wohl die Menschenmassen drängeln, in dieser Jaheszeit bekommt man locker überall noch einen Platz.

Der Pub "olde pump" ist eine Augenweide und deshalb immer gut besucht. Seit ungefähr 1600 gibt es dieses wunderschöne Gebäude schon. Eine gewisse Zeit lang war es ein Schuhladen, aber die meiste Zeit dann doch eine Schänke. Was hat dieses Gebäude aller "erlebt", die französische Brandschatzung im 17. Jahrhundert, es war Treffpunkt der Schmuggler und Strandpiraten, die deutschen Bombenangriffe des zweiten Weltkrieges. So entwickelte sich "ye olde pump house" zum Eyecatcher der George Street.

Auch abseits der belebten Straßen ist "old town" wirklich nett. Einfach rumschlendern und ziellos drauf los.
Hastings war mein letzter voller Tag an der Südküste Englands. So ab dem frühen Nachmittag kippte dann schnell das Wetter und leichte Schneeschauer setzten ein. Es war wohl gleichzeitig ein Zeichen. Junge, zieh weiter.
Keep the faith.
RaMü.