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Das große Schweigen ...
Hallo Bloggs. Für viele Fans des VfB Stuttgart wurde der Trip nach Glasgow zu einer einzigen Enttäuschung. Damit meine ich beileibe nicht dieses überragende 1:4, sondern man hatte sich so auf eine stimmungsvolle Kulisse gefreut, und dann das. Auf dem Rückmarsch in die City war viel davon zu hören, wie schwach das alles war.
Der VfB Stuttgart hätte für diese Partie keinen besseren Zeitpunkt erwischen können. Der fast übergroße Respekt basiert auf zwei Säulen. Die schier überladene Tradition auf der einen Seite, die ellenlange Liste der errungenen Meisterschaften auf der anderen Seite der Münze. Der Celtic Ground bietet an den Außenwänden viel Platz für solch eine Selbstbeweihung, aber der internationale Erfolg ist schon fast wieder Geschichte. Zudem trafen die Roten auf einen innerlich zutiefst zerstrittenen Gegner, der zusätzlich noch in einer höchst mittelmäßigen Liga seine Erfolge feiert.
Die Stimmung lebt auf der Insel deutlich mehr vom Spielverlauf, aber auch von der Spannung und der Leistung der eigenen Mannschaft. Während in Deutschland eine Art Dauerbeschallung fast schon messianisch als die Fankultur ausgerufen wird, ist man im Mutterland des Fussballs deutlich konservativer. "Keine Leistung, kein Support". Allerdings besitzt auch Celtic Glasgow eine solche Ultrakultur, die sich deutlich am Kontinent orientiert. Das Blöde ist nur, anscheinend stellt man seine eigene Befindlichkeiten über das Anliegen des Clubs, den man angeblich so liebt. Seit Monaten schwelt dieser Streit nun, ein Resultat davon war dieses Tennisbällewerfen nach nur vier Minuten. Manager Martin O'Neill brachte es auf den Punkt. "Diese Leute sollten sich man am Kopf untersuchen lassen. Der Celtic Park war mal einschüchternd, und jetzt?". Das gemeinsame Absingen dieses "You'll never walk alone", eine Aufführung gemeinsam in Grün und Rot war der vorgezogene Höhepunkt. Die Atmosphäre war nach dieser Unterbrechung schlichtweg unterirdisch, natürlich hatte der VfB seinen übergroßen Anteil daran. Celtic fehlte dieser eine große Trumpf, das Stadion. Reduziert auf ausschließlich sportliche Fähigkeiten offenbarte das Team große, überdeutliche Schwächen. Es wurde teilweise vorgeführt. Ich selbst habe schon mehrfach Begegnung in Schottlands höchster Liga gesehen, alles kein großes Kino. Die Scottish Premiership wurde von den Giganten Celtic und Rangers erstickt, der Rest ist Noname. Wobei der blaue Stadtrivale sich selbst schwächte, man machte einen Zwangsabstieg in die vierte Liga durch. Eine übergroße Verschuldung war der Grund, die Rückkehr in die Eliteklasse brauchte trotz Durchmarsch seine vier Spielzeiten. In dieser Zeit festigte Celtic seine Führungsposition und war ungekrönter Herrscher der Highlands. Die Orgien der Titelsammlungen konnte aber über eine internationale Schwäche nie hinwegtäuschen. Es war höchstens ein Trostpflaster.
Es gibt seit einem Jahrzehnt immer wieder den Vorstoß, die Rangers und Celtic mit Ausnahmgenehmigungen in der englischen Premier League zu etablieren. Die Erträge der heimischen Liga sind einfach zu schwach, man ist über die Landesgrenzen hinweg nicht konkurrenzfähig. Das Celtic in dieser Saison überhaupt noch um die Meisterschaft mitspielt, zeigt das ganze Dilema der Liga.
Im grünen Teil der Stadt ist man frustriert, die Angst dass mal die Rangers oder gar die Heart of Midlothian den Pott hochhalten ist groß. PS: Es gibt hier keine Schale.
Zunächst sang man "You'll never walk alone" und dann gingen überraschend viele Supporters nach dem vermeintlichen 1:4 durch Demirovic. Genau mein Humor. Also ich hab 2003 diesen Ground schon anders erlebt. Das brüllte und sang das gesamte Stadion einen auch nicht unbedingt schlechteren VfB Stuttgart aus dem UEFA-Cup, hier stach der Trumpf von der Heimstärke und dem Zusammenhalt.
Deshalb warne ich davor, dieses Ergebnis zu überschätzen. Keine Sorge, wir kommen weiter. Ein solcher Sieg ist aber nur ein kleiner Schritt zur internationalen Reife. Und zu den besseren Mannschaften Europas gehören wir sicher nicht, die spielen in der Champions League. Die nächste Runde wird der Gradmesser, egal wer es ist. Auf jeden Fall ist da der portugiesische Kontrahent spielstärker und hat nicht mit inneren Problemen zu kämpfen. Trotzdem, der Trip nach Glasgow war natürlich ein tolles Ding. Eine Werbung für den VfB mitsamt Anhang. Möge diese Reise noch ein ganzes Weilchen anhalten.

So viel Platz gibt's fast überhaupt nicht. Selbst die Auflistung der "triple seasons" nimmt schon gewaltig viel Platz weg. Allerdings ist damit der Gewinn der Meisterschaft, des FA-Cup und des Ligapokal gemeint. International ist schon das Erreichen der Champions League Ligaphase ein Erfolg.

Keep the faith.
RaMü.