BBSP Stadium, Kilmarnock
 
Hallo Bloggs.  Also hier ist alles klar, im Prinzip. Der Tabellenvierte Kilmarnock empfängt mit Livingston das absolute Schlußlicht. Die Hausherren dürfen sich beim Kampf um einen Qualifikationsstarterplatz für die nächstjährige Europa League keinen Ausrutscher erlauben, drei Punkte sind da Pflicht. Zumal Verfolger St. Mirren ebenfalls ein Heimspiel und nur einen Punkt weniger hat.
 
 
Es war das komplette Kontrastprogramm zum Vortag. Nur 4328 Zuschauer, eine Riesenentäuschung beim Ticketkauf, die mieseste erste Halbzeit im Profifussball, unterirdische Stimmung, arschkalt, Kunstrasen, und, und, und.
Bestimmt waren viele Leser schon in Glasgow bei den Rangers oder Celtic. Aber Kilmarnock? Dabei ist es einfach zu erreichen. Die Fahrtzeit vom Glasgow Central beträgt rund fünfzig Minuten, allerdings war Wochentagsspiel. Und das bedeudet prallevolle Züge durch Berufspendler. Für die Leute ging es ab nach Hause, für mich zum Fussball. Vom schnuckligen Bahnhof aus sind es ungefähr zwanzig Minuten zu Fuß zum BBSP Stadium, der Heimat des Kilmarnock FC. Dass der Tabellenletzte Livingston kein Publikumsmagnet ist, war mir schon klar. Aber so etwas habe ich selten erlebt. Knapp siebzig Minuten vor Spielbeginn war noch gähnende Leere um den Ground, alles wirkte noch schläfrig. Diesmal musste ich mein Ticket noch am Schalter kaufen und da erlebte ich eine böse Überraschung. Ich bekam als Karte eine Art Quitung über den Betrag mit einem QR-Code, drauf fertig. Zuerst habe ich noch nach der eigentlichen Karte gefragt, aber dann hab ich's kapiert, dieser Fetzen ist es. Skandal. Es blieb dabei, nur zögerlich kamen die Leute. Immerhin reichte zur üblichen Erkundung rund ums Stadion.
 
 
 
 
 
18.128 Zuschauer passen ins BBSP Stadium rein und es wird wohl nur richtig voll, wenn die beiden Großstadtclubs aus Glasgow kommen. Seit 1899 wird an diesem Standort gespielt, allerdings gab es 1994 einen Komplettabriß und es wurde von Grund auf neu gebaut. Allerdings sieht es heute so aus, als ob der Kasten schon über fünfzig Jahre alt ist. Es scheint, als ob die beiden Tribünen hinter dem Tor neu bestuhlt worden sind. Die größte Enttäuschung war der Kunstrasen. Der ist so richtig alt. Da würde sich mancher deutsche Landesligakicker weigern, zu spielen. Ich hatte mir ein Ticket ganz oben gekauft und war von lauter freundlichen Leuten umringt. Sie waren alle fürcherlich nett, nur ich hab kein Wort verstanden. Sie ließen mich dann alsbald in Ruhe, obwohl das Spiel Ablenkung verdient hätte. Um es deutlich zu sagen, es war unterirdisch, es war grauenhaft. Natürlich ist das mit dem Kunstrasen so eine Sache, aber so! Da wurde das Leder lustlos hin und her gespielt, kaum Tempo, kaum Torschüße. Dementsprechend die Stimmung, unter der Nullgrenze, wie die echten Temperaturen. Kein Wunder, zur Irish Sea sind es nur noch fünfundzwanzig Kilometer. Es war richtig schlimm, der Halbzeitpfiff eine echte Erlösung. Da bin ich runter, habe mir einen Kaffee gegönnt und in der zweiten Halbzeit dann ganz unten gesessen, in der Hoffnung, es wird besser. Und tatsächlich, es müssen harsche Worte gefallen sein. Zwei Auswechslungen brachten mehr Schwung und es wurde dann doch noch ein Fussballspiel, in Ansätzen auf jeden Fall. Das Publikum, das zuvor noch pfiff wurde nun aktiver und der Druck immer stärker. "Killie" kam. Livingston zeigte beeindruckend, warum man abgeschlagener Letzter ist. Da passierte nicht viel. Auf jeden Fall fiel das erlösende Tor dann in der 87. Minute, Watkins schob aus kurzer Distanz ein. Das Blöde war nur, hab's es verpasst. Ich bin kurz vorher gegangen um den Zug noch rechtzeitig zu erreichen. Shit happens. So hörte ich den Jubel und die Stadiondurchsage auf dem Rückweg zum Bahnhof. Und da reifte in mir der Entschluß, also Kilmarnock, das tue ich mir nicht mehr an.
 
 
 
 
 
 
Keep the faith.
RaMü
 
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