Backsight
 
Hallo Bloggs. Die Zeit rast und der Frühling tut sein Übriges. Wenn die sogenannte dunkle Jahreszeit weicht und der vorzeitige Frühling beginnt, startet im Menschen eine gewisse Unruhe. Man möchte raus und somit wächst auch die Lust auf Reisen, am besten im Zusammenhang mit Fussball. Nun, bei mir scheint es bis zu einem gewissen Grad das ganze Jahr über zu lusteln, natürlich macht es bei wärmeren Temps mehr Spaß. Auf jeden Fall ist mein Trip nach Schottland mit dem Abschluß in Manchester schon über sechs Wochen her und ich möchte nun einen Knopf ranmachen.
Über meine Tage mit Bezug auf Land und Leute habe ich ja ausführlich berichtet, trotzdem ist mir noch einiges Zusätzliches hängen geblieben.
So die Sache mit der Sprache. Man darf sich nicht nur mit der gewöhnungsbedürftigen Ausprache, dem klassischen Dialekt rumschlagen, es gibt da auch noch die gälische Sprache. Zu lesen ist das in Glasgow überall an den Plätzen und somit im gesamten öffentlichen Leben. Allerdings hatte ich das Gefühl, in Swansea, also in Wales wurde es offensiver angewendet. Schließlich wird gälisch auch in verschiedenen Regionen wie zusätzlich im gesamten Irland gesprochen, wenn auch die überwiegende Mehrzahl im Alltag die englische Sprache bevorzugen.
 
 
Jeder von uns beherrscht mindestens ein Wort gälisch. Whisky. Es ist abgeleitet von whiskybea und heißt "Wasser des Lebens". Und damit wären wir beim nächsten Thema, was wäre Schottland ohne Whisky! Ich persönlich war in keiner Destillerie oder trinke ganz selten das "Wasser des Lebens". Nach meinem Dünndarmtumor ist das eigentlich tabu. Und zudem ist die Angelegenheit recht teuer. Ich rede nicht von diesem Alltagsgetränk wie Johnnie Wackler oder Jim Beam, ich rede von echtem Whisky. In Glasgow gibt es mehrere ausgewählte und somit exklusiv teure Läden, welche auch beraten. Gekauft habe ich nicht, aber geguckt.
 
 
Stuttgart hat ja ein bekanntes Problem, die Sache mit dem Bahnhof. Ich persönlich kann mich für alte Bahnhöfe begeistern und da bietet das Vereinigte Königreich eine ganze Menge. Auf jeden Fall gehört die Central Station in Glasgow dazu. Der Name ist Programm, zentraler geht es wirklich nicht. Und dann die Fassade. Auch im Innern hat man sich alle Mühe gegeben, den Charme der alten Zeit zu bewahren. Vorbildlich.
 
 
Dagegen wirkt der zweite Großbahnhof richtig modern, die Glasfassade spricht für sich. 1842 erbaut, erfuhr die Queens Street Station 2017 eine umfassende Renovierung, ein Gegenstück zur Central Station. Es gibt eine Aufgabenteilung der beiden Haltestellen. Der Bahnhof Central bedient die Fernverbindungen nach England und Südschottland. Wer nach Edinburgh oder in den Norden will, muss in der Queens Station einsteigen.
 
 
Die Entfernung zwischen beiden Bahnhöfen beträgt nur einen Kilometer. Wer kein größeres Gepäck bei sich hat, kann die Strecke bequem in einer Viertelstunde schaffen. Natürlich gibt es auch beim Thema Fussball noch ein paar Erinnerungen oder Vergleiche. Ich habe noch nie so viele Straßenverkäufer wie beim Stadion der Glasgow Rangers gesehen. Gefühlt an fast jeder Ecke gibt es solche Anbieter und auch die Größe erschlägt einen fast.
 
 
Zur Stimmung kann ich lediglich meine beiden besuchten Spiele zum Vergleich ranziehen. Support auf der Insel ist anders. Das Publikum nimmt die Leistung und den Einsatz wahr, reagiert sensibel auf Spielverlauf und/oder gar auf einzelne Spielzüge. Das bringt dann die ganze Bandbreite. Von fast Stille bis ohrenbetäubender Gesang. Und das innerhalb von Minuten. In Deutschland ist alles organisiert, man spricht ja auch von der organisierten Fanszene, sogar der Gesang. Da wird der Takt vorgegeben, egal was das Team abliefert. Alles hat was.
Also bei meinem Match der Rangers gegen Aberdeen war die Stimmung überragend. Enges Spiel, die Rangers mussten gewinnen um die Tabellenführung zu erobern. 1:0, 1:1, dann 2:1. Alles da, meist Gesang. Zuerst da und dort und dann der gesamte Ground. Magic.
In Kilmarnock war die Paarung insofern ungünstig, weil Gegner Livingston eine sehr kleine Fanbase hat. Eingekeilt zwischen der Hauptstadt Edinburg und Glasgow fristet man ein Nischendasein, höchstens. Die Giganten Celtic und Rangers beherrschen die Szene, gefolgt von der "Hearts" aus der Hauptstadt. Dann ist die Kluft schon groß. Spiele zwischen z.B. Motherwell und Ross County melden höchstens 6.000 Zuschauer. Das kann man ruhig mit Österreich oder Belgien vergleichen. So in etwa.
In Kilarmarnock gab es wegen des nicht vorhandenen Gastanhangs keine Gesangsduelle. Wenn, dann nur Gebrülle. Ich war mal vor geschätzten zwölf Jahren bei den "Hibs" gegen Dundee Utd. Da gab es Anfeuerungsrufe und Geschrei, von vernünftigem Gesang keine Spur. Ausnahmen bilden wie schon wie erwähnt die drei größten Clubs, da kann man auch annähernd so etwas wie eine Ultra Szene erkennen, der Einfluß durch den Europapokal ist schon da.
 
 
Am besten im gesamten Ground bei den "Killies" haben mir die Murals gefallen. Überhaupt scheint auf der gesamten Insel diese Art der Heldenverehrung auf dem Vormarsch, überall sieht man diese Dinger. Spötter behaupten ja, urplötzlich hat jeder Club so einen Künstler. Das kann gar nicht sein. Tatsächlich gibt es Profis, die dann irgendeine Vorlage an die angewiesene Wand pinseln. Per Rechnung, natürlich. Bin mal gespannt, wann in Cannstatt mal so ein übergroßes Ding von Guirassy auftaucht. Dann doch lieber der VfB, hat länger Bestand.
 
Keep the faith.
RaMü
 
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