RaMuesWeltHistory # 3:

 
Hallo Bloggs.
 
Jeder ernstzunehmende Fussballfan will, ja muss schon mal da gewesen sein. Der Jubel ist überschäumend, wenn in der Champions League dieses Stadion zugelost wird. Jeder Fan eines englischen Dritt- oder Viertligisten träumt im FA-Cup von diesem Auswärtsspiel. Anfield Road. Es gibt keinen klangvolleren Stadionnamen. Keinen. Anfield Road. Hier, in der Stadt der Beatles entstand die Kultur des Singens im Stadion, Sprechchöre waren ja schon immer da. Man kopierte die Hits der damals weltbekanntesten Band, dichtete sie um und begann zu singen, hier im Kop, hier im Stadion an der Anfield Road.
Mein erster Besuch war im Jahre 1982 (!) zusammen mit Kumpels. Seit nunmehr zwei Jahren betourten wir die Insel, die Sehnsucht nach diesen Stadien war immens. Es war die ganz große Zeit des englischen Fussballs, auf und neben dem Platz. Während die Fanszene in Deutschland eher noch ein etwas kümmerliches Dasein bot, zumindest in Sachen Support, waren die Supporters in dieser Angelegenheit die absolute Nummer eins. Diese Stadien, diese Stimmung, dieses Tempo im Spiel. Die Fanshops waren ein wahres Warenparadies, in Deutschland wurden die wenigen Fanartikel meistens noch an einem kleinen Stand auf der offenen Straße gekauft. Nun also endlich Anfield Road. Der Mythos war damals schon groß, die Anziehungskraft enorm. An diesem 13. April 1982 war es also da, das kaum erhoffte und nun doch realisierte absolute Erlebnis, ein Besuch beim FC Liverpool. Wir hatten Sitzplatztickets ganz unten, direkt an einer Eckfahne. Fussball pur. Zum allerersten Mal konnte ich bei einem Eckstoß einem Spieler bei der Ausführung, also beim Anlauf fast auf die Schulter klopfen. Näher dran ging nicht. Das Spiel in der damaligen Division one / heutige Premiership gegen Stoke City war kein Burner, die Stimmung auch nicht so brutal umwerfend, wie wir uns das immer im damaligen Stuttgarter A-Block ausgemalt hatten. Aber trotzdem, Liverpool und Anfield Road. Das gehört zusammen und ist leider heutzutage noch schwieriger zu verwirklichen, ihr wisst schon. Die Billigflieger ermöglichten unter anderem den weltweiten Fussballtourismus, die Nachfrage nach Tickets speziell bei den Spitzenclubs ist fast unersättlich. Immerhin war ich später noch drei Mal da, erneut Division one, im FA-Cup und dann "nur" zu einer Stadionführung. Und da war die ganze Sache dann doch nicht mehr so eindrucksvoll. Die Anfield Road lebt von der Stimmung, dem Namen und der Stimmung. Leer ist es weniger dolle, aber das ist aber überall so. Deshalb wird es unter anderem Zeit, Zeit für den Herbst 2021, wenn wir diesen Mist Covid-19 wieder im Griff haben und das echte Fandasein wieder beginnt. Im Stadion.
 
 
Das Stadion an der Anfield Road 1982.
 
 
Die damaligen Souveniershops hatten ein deutlich größeres Angebot als in Deutschland. Alles war besser, professioneller und eindrucksvoller. Beim Scannen hat mich dieses Bild beschäftigt. Natürlich war da zuerst die Erinnerung. Aber dann. Die einbetonierten Glasscherben auf der Mauerkrone, damals üblich. Da warten zwei anscheinend völlig unbeteiligte Passanten an der Haltestelle auf ihren Bus. Der selbstständige Straßenverkäufer mit den Fahnen. Daneben die Schlange vor dem offiziellen Fanshop. Die Farben der Stadionbekleidung war damals noch etwas bunter, dieses einheitliche Schwarz kam erst viel später. Und ... es gab in England noch nie diese Kuttenträger, wie damals in Deutschland weit verbreitet. Das allein wäre eine Post wert. Mal sehen!
 
 
Setzen und WOW ! Während hinter den Toren noch etwas Platz war, ging es an den Seitenlinien wesentlich enger zu. PS: Der Gegner war nicht ManCITY, sondern Stoke City  im Auswärtstrikot. In der damaligen Zeit habe ich zwei Heimspiele von ManCITY gegen Liverpool an der Maine Road erlebt, damals hatten diese Begegnungen aber noch nicht diesen Reiz wie heute.
 
 
Das erste ultimative Stadionerlebnis, sitzen mit nur zwei, drei  Meter Entfernung zur Außenlinie. Man sieht aber auch, von gepflegtem englischen Rasen keine Spur. Der Platz war holprig, uneben und hatte ab und zu richtig große Grassnarben. Die Seitenlinien wirkten wie mit dünner Farbe aufgemalt, das viele Kalk hatte sich in eine halbfeste Masse verwandelt, ähnlich einem Zuckerguss auf einer Schneckennudel.
 
 
Das Anfield wurde 1884 erbaut und seither ständig erweitert, modernisiert und ausgebaut. Insgesamt gab es zwölf nennswerte Eingriffe, diese Bilder von 1982 sind daher auch schon Raritäten. In den kommenden Jahren planen die "Reds" weitere Anbauten, die erforderlichen Genehmigungen liegen vor. Auf jeden Fall bleibt der FC Liverpool am Standort. Das stand für einige Jahre auf der Kippe. Es war ein gemeinsames Stadion mit dem benachbarten FC Everton im Gespräch, aber irgendwann rückte man davon wieder ab. Der Name Anfield Road bleibt also erhalten. Eine weise Entscheidung.
 
Keep the faith
RaMü
 
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