Schwabenpleite in Baden!

Hallo Bluebloggs,

rund 180 Kilometer fährt man von Stuttgart nach Freiburg, wenn man die Autobahn über Karlsruhe benutzt. Kürzer, aber nicht wesentlich schneller geht es quer durch den Schwarzwald. Egal, immer ist dieses sogenannte Mittelgebirge im Wege. Es trennt Baden von Württemberg nicht nur räumlich, sondern auch im Denken. Am Neckar sind die angeblich größten "Schaffer" der Nation beheimatet, am Oberrhein frönt man laut Vorstellung schon mehr dem Essen und Trinken, natürlich mit französischem Einschlag.

Nach dem zweiten Weltkrieg entstand das Bundesland Baden-Württemberg und seither heißt die Landeshauptstadt Stuttgart. Inzwischen trägt man seine Abneigung nicht mehr mit blanker Klinge aus, die jeweiligen Volksstämme duellieren sich fast nur noch auf dem Sportplatz, zumindest deren Vertretungen. Auf den Rängen geht es schon direkter zu, da sind die Spezies voll zu Gange. So auch beim Pokalspiel zwischen dem SC Freiburg und dem VfB Stuttgart.

Für die Breisgauer war da noch eine Rechnung offen. So mußte man sich vor rund einem halben Jahr im Halbfinale des DFB-Pokals in Stuttgart mit 2:1 geschlagen geben und die Roten aus Stuttgart reisten nach Berlin, statt den Roten vom Oberrhein. Das Resultat ist bekannt, der allmächtige FC Bayern gewann auch das letzte Endspiel auf dem Weg zum Triple, der SC Freiburg qualifzierte sich über den fünften Platz direkt für die Europaleague. Die Stuttgarter schieden in der Quali zu Europa trotz zwischenzeitlichem Trainerwechsel aus und mußten sich schon vor dem Anpfiff einigen Spott an der Dreisam anhören.

Eigentlich heißt es jetzt Mage Solar Stadion, statt Dreisamstadion und ist für mich ein Stück aus der mittleren, guten alten Zeit. Eingezwängt zwischem dem gleichnamigen Flüsschen und Häuserreihen, malerisch in einem Tal gelegen, bietet es fast schon ein Stück britischer Stadionkultur. Hier wurde auch immer wieder erweitert, erneuert und aufgestockt. So bietet der Ground keinen rundgelutschten Eindruck, sondern rustikalen Sound. So waren die Stadien in England ebenso, bis dann mit der Jahrtausendwende der Bauboom anfing und man raus aus der engen Stadt zog.

Die Gäste in Freiburg sind im Bereich einer Eckfahne untergebracht, es gibt Steh- und Sitzplätze. Wir bezahlten rund 32,50 € für den Sitzplatz in Block K und das ist eigentlich eine Frechheit. Zwar standen wir die ganze Spielzeit, trotzdem war ein Tor und eine Eckfahne so gut wie nicht einzusehen. Beim SC Freiburg hat man wohl noch nichts von Sichtbehinderung gehört. Die Verköstigung war ebenfalls bescheiden, für rund 2.500 Gäste kam es ein Kiosk, die Bockwurst mit Snickers bildeten den kulinarischen Höhepunkt. Alles lieblos, alles etwas abgefuckt, typisch England in den Achtziger eben. Dafür war man direkt am Spielfeldrand, das war das große Plus.

Da das Ergebnis des Spieles wohl bekannt ist, gibt es darüber nicht viel zu berichten. Der VfB war beileibe nicht die bessere Mannschaft, aber die vier, fünf tolle Spielzüge in der zweiten Halbzeit hätten eben zu Toren führen müssen. Aber es ist nicht geschehen, die Herren Ibisevic, Maxim, Cacao und der Jungspund Werner verzogen und so kam das Aus im zweiten Wettbewerb. Was bleibt: Das Stadion in Freiburg ist klasse, trotz der Unzulänglichkeiten. Es bietet noch ein Stück alter Fußballkultur, mit Sichtbehinderung. Leider scheinen aber auch hier die Tage gezählt, man debattiert bereits über einen Neubau, natürlich außerhalb der Stadt. Weit draußen, an der Autobahn, weit weg vom Schwazwald und der Dreisam. Vermutlich wird es auch so kommen und dann heißt es Abschied nehmen von der alten Kiste. Aber auch dort wird es wieder die Gesangsduelle geben, die heißen Duelle zwischen den "Schaffern"  und den "Genießern", wenn ..., ja wenn, der SC Freiburg die Klasse hält.

Bild: Außenansicht

Bild: Nur ein Kiosk im Gastbereich.

Bild: Away support; VfB Stuttgart

Bild: Enge Kiste.

Bild: Innanansicht.

RaMü