RaMü bei Cosmos Ney York!

Hallo Bluebloggs,

neulich habe ich ja ein Stadionheft von einem imposanten Freundschaftsspiel des VfB Stuttgart eingestellt. Damals spielte der Schwabenstolz gegen Cosmos New York, unter anderem mit Franz Beckenbauer. Man schrieb das Jahr 1978 und das "Städtle" war in heller Aufregung, der "Kaiser" kam und im Gefolge zahlreiche Parradiesvögel. Damals ahnte ich noch nicht, daß ich einmal persönlich diesen "Plastikkclub" in den USA erleben werde, so weit reichte meine Vorstellungskraft noch nicht.

Im Jahre 1984 buchten ein damaliger Kumpel und ich dann eine einwöchige Flugreise nach New York, dem Ausgeburt des Kapitalismus und dem absoluten Gipfel der Städtekunst, damals galten die inzwischen 2001 zerstörten "Twin Towers" des Worldtradecenters als Höhepunkt der Städtebaukunst.

Wir hatten uns über den amerikanischen "Soccer" eigentlich null Gedanken gemacht, der Sinn stand uns nach anderen Dingen. In dieser Zeit kam ein Film mit Paul Newmann in die Kinos mit dem Titel "Bronx". Damals war es die übelste Gegend in den gesamten USA, die Bürger wurden zum Spielball rivalisierender Banden und der schier machtlosen Polizei. Das wollten wir, als angeblich erprobte Fußballfans, mal live sehen. Also rüber. Irgendwann habe wir dann eine Werbung für eine merkwürdige Veranstaltung gesehen, in den "Meadows" wurde Fußball gespielt, und zwar der Richtige, der europäische Fußball. Es war irgendein Turnier mit vier Mannschaften und so sind wir hingefahren, in den nördlichen Stadtteil Queens. Man spielte im Stadiom der "Giants", einem American Football Team. Die Anfahrt war nett und das Turnier auch. Wir wußten vom "Soccer" nicht viel und nach den Spielen noch viel weniger. Immerhin, wir sahen viel Neues. Zunächst haben wir das günstigste Ticket gekauft, ganz oben. Ein herrlicher Blick bei strahlenden Sonnenschein. Zuerst staunten, dann lachten wir. Es gab doch tatsächlich eine Möglichkeit, ein Spiel im eigenen Auto zu sehen. Man fährt einfach eine besondere Auffahrt hoch und ganz oben kann man dann einparken. Man schaut von eigenen Autositz, leicht nach vorne geneigt nach unten, Bedienungen bringen einem die bestellten Hot Dogs. Die spinnen, die Amis. Unter uns saß ein hünenhafter dunkelhäutiger Amerikaner, mit einem übergroßen "Gettoblaster" am Ohr und beschallte den ganzen Block. Der hatte vermutlich eine Freikarte. Der Stadionlautsprecher erklärte ständig die Regeln und auf der Anzeigetafel leuchtete dann z.B. bei Ecken eine Logo auf; "Clap your hands". Na ja ! Auch auf dem WC war man immer informiert. Auf der Treppe hingen klobige Monitore und über den Wasserrinnen ebenso. Also hier war man dem besten Stadion-WC ( Stuttgart ) Jahrzehnte voraus. Es spielten damals vier Teams um irgendeinen Cup. Beteiligt waren, glaube ich, der AC Florenz, ein brasilianischer Verein und der FC Southampton, warum auch immer, neben Gastgeber Cosmos New York. Hier erklärt sich unter anderem der Vorsprung der englischen Premiership vor den anderen europäischen Ligen, zumindest in Sachen Vermarktung und Fernsehgelder. Irgendwann war diese Peinlichkeit auch überstanden und wir fuhren zurück in das echte New York City.

Ein Jahr später wurde Cosmos New York aufgelöste und vor einem Jahr wieder gegründet. Vielleicht gibt es wieder mal ein Match in Stuttgart !

Was haben wir sonst noch gesehen? Wir waren noch bei einem "Baseballderby" zwischen den New York Yankees und den Boston Red Socks. Allein das damalige Stadion der Yankees wäre ein Post wert. Inmitten der Bronx gelegen, glich es einer Festung. Soviel Stacheldraht habe ich noch nie gesehen. Auch waren wir im berühmten Madison Square Garden. Das spielten die Scorpions mit einem damals fast unbekannten Band im Vorprogramm, Bon Jovi oder so ähnlich.

Zu guter Letzt waren wir natürlich auch in der Bronx, allerdings nur ein paar Stunden. Schon auf der Hinfahrt in der U-Bahn fiel uns ein Junkie total bekifft in die Arme und verkotzte das Abteil. dann stiegen wir aus und gingen die Treppe hoch in das Tagesgeschehen, zu Pennern, Dealern, Junkies und Mördern. Mein Kumpel hatte einen schneeweißen Jogginganzug an, kombiniert mit einer olivgrüner Bomberjacke, die Auswahl war nicht nur peinlich sondern auch aufsehenerregend. Überall wurde man feindselig angeglotzt, angemacht und die Polizei filzte uns. Nach zwei Stunden hatten wir genug und fuhren wieder in das gemütlichere Zentrum. Irgendwann war die Woche rum und wir freuten uns auf die gewohnte deutsche Heimat.

Heute ist die Bronx angeblich "clean", ein späterer Bürgermeister stellte fast eine ganze Armee von Polizisten ein und säuberte die Gegend. Nur noch der Name erinnert an die alten Zeiten und ein Film.

Bild: Im Moment die einzige Erinnerung; das Ticket.

 

RaMü