Vier Stunden in Züri !

Hallo Bluebloggs,

vier Stunden dauerte unser Aufenthalt in Züri und dann stand der Entschluß fest, nie mehr Letzigrund. Wer einmal ein echt dröges und bescheidenes ( Fußball ) stadion sehen will, sollte ein Heimspiel des FC oder des Grasshopper Club Zürich besuchen. Beide Clubs der größten Stadt in der Schweiz teilen sich dieses unmögliche Gebilde, welches als absoluter Stimmungtöter in der Alpenrepublik gilt. Eigentlich wollten beide Vereine gemeinsam ein reines Fußballstadion bauen, aber per Volksentscheid wurde dieses Vorhaben abgelehnt. Nun sind die Fans der beiden blauen Clubs weiterhin die ärmsten Schweine in der Liga und müssen sich zusätzlich noch kübelweise Spott anhören. Dabei wurde das Leichtathletikstadion extra für die EM 2008 fußballtauglich gemacht, alles nicht wirklich gelungen. Die Tartanbahn blieb und so bleibt es bei einem fürchterlichen Ground.

Es war die reine Neugier, die Fahrt nach Zürich. Es wollte es einfach mal sehen, die größte Lachnummer in Sachen Fußball. Also hin zu einem Kick, zufällig war die Matchwahl nicht unbedingt schlecht. Mit dem Grasshopper Club gegen die Young Boys aus Bern traf der aktuelle Zweite auf den Vierten. Bei einem Sieg konnten die Hoppers gar die Tabellenführung übernehmen, also beste Voraussetzungen. Die Tickets hatten wir uns schon vorher online bestellt, total überflüssig, es kamen nur 9.400 Zuschauer. Und selbst diese Anhänger waren bei Anpfiff nicht pünktlich auf den Plätzen, es wurde peinlich genau gefilzt.

Die Umgebung ist eigentlich gar nicht so übel. Der alte Schlachthof mit einem großen Kneipe an einem Eck verströmt gar etwas Englandflair, ebenso die Straßen darum. Die Eingänge waren eng und die Kioske überaus empfehlenswert, aber das Entscheidende war dann doch eine einzige Pleite.

Das Spiel hatte irgendwie nicht den hohen Drive, da muß ich meine hohe Meinung über die Qualität der Schweizer Lige doch wieder etwas zurück nehmen. Ich schaue halt zuviel FC Basel. Also das der Grasshopper Club dieses Match verloren hat ist ein Treppenwitz und zugleich eine Lachnummer. Die Hoppers bestimmten klar die erste Halbzeit und trafen freistehend entweder den Pfosten oder überhaupt nicht das gesamte Tor. Die Bestrafung folgte in Abschnitt zwei. Bern wurde mutiger und erzielte per Kopf das 0:1 und konnte dieses Resultat bis zum Schlußpfiff halten.

Der Support der Hoppers war gar nicht so übel, aber das unmögliche Stadion macht alles zu einem aussichtslosen Unterfangen. Das Liedgut und die Melodien orientierten sich an der Buli, ebenso von YB. Aber deren Supps hatten noch einen gwaltigen Trumpf in der Hinterhand, die Pyrotechnik. Ich war mal in Bern mit dem VfB Stuttgart, in Zürich war es ähnlich. Nach dem 0:1 wurde die halbe Kurve in ein Feuerwerk verwandelt, zwar verboten, aber trotzdem gemacht. Irgendwann in der ersten Halbzeit hielten die Fans aus der Hauptstadt dann noch einen Banner hoch: Mir heiz  ( Wir haben ) des Letzi satt. Da gab es sogar Beifall vom GC-Support, gemeinsam sang man gar "Scheiß Letzigrund, Scheiß Letzgrund, usw.". Dann war aber Schluß mit den Gemeinsamkeiten. So ging das Verfolgeduell mit einem 0:1 für Bern aus und in Basel dürften man sich halb tot gelacht haben, nur 1:1 in Aarau und trotzdem den Vorsprung um einen Punkt ausgebaut. Mein / unser Trip dauerte so ziemlich genau zwöf Stunden, ein bisserl viel für eine Fortbildungsreise.

Trotzdem versuche ich es im Frühjahr vielleicht nochmal mit der Schweiz, der FC St. Gallen und der FC Luzern sind in machbarer "Reichweite".

Bild: Von außen nicht so übel.

Bild: Enge Eingänge am Letzigrund.

Bild: Der Stimmungstöter von innen.

Bild: Kampf gegen die Langeweile; GC Support.

Bild: YB wie gewohnt, Pyroverbote stören nicht.

RaMü