Boarding please - Bahnreisen in UK

Hallo Bluebloggs,

Bahnreisen in Großbritannien ist auch nicht anders als auf dem Festland, man steigt ein und läßt sich fahren. Allerdings besteht doch ein Unterschied im Gegensatz zu Deutschland. Hier ist man nur die Deutsche Bahn AG gewohnt, in UK gibt es unglaublich viele private Gesellschaften, die offizielle British Rail gibt es schon lange nicht mehr. Deren Gewerkschaft war übermächtig und die Anzahl der Streiktage überstieg manchmal das Unvorstellbare, die Bahn wurde immer mehr zu einem Unsicherheitsfaktor in Sachen Zuverläßigkeit und Pünktlichkeit. Schließlich wurde es der damaligen Premierministerin Thatcher zu dumm, man löste BR auf und privatisierte die Strecken. Die Sahnestückchen unter den Verbindungen waren schnell weg, der Rest am Rand der Insel mußte lange warten, oder die Strecken wurden einfach stillgelegt.

Diese Privatisierung brachte auf jeden Fall erheblich Farbe in Spiel. Zwar sind die meisten "coaches" Wägen ziemlich gleich, der Sitzabstand und die Gangbreite, sowie die Einteilung ist überall verdächtig gleich, dafür versucht man sich im Farbschema von der Konkurrenz abzuheben. Wenn man öfters durch das Königreich fährt, bekommt man so manches mit und lernt auch die Qualität zu unterscheiden. Die meisten Fahrten starte ich logischerweise von Manchester oder von London. Hier ist die Premiumstrecke und diese wird betrieben von VIRGIN TRAINS/ Farbe rot. Das ist ein riesiger Konzern mit unter anderem einem Plattenlabel und einer Fluggesellschaft. Das Angebot ist gewaltig, von 6.00 bis 21.00 Uhr startet jede zwanzig (!) Minuten ein Schnellzug in Richtung Norden, mit einer Fahrzeit von rund 2 Stunden. Die Preise sind recht unterschiedlich, in den Spitzenzeiten "peak times" kommt man schon auf 100.-- €, aber wer flexibel ist, ergattert ein Ticket auch schon für 20.-- €. Virgintrain ist der absolute Star, von der Hauptstadt aus führen insgesamt fünf Linien übers Land, es geht bis nach Holyhead in Wales, Edinburgh oder Glasgow in Schottland. Weiteste Ziele im Kernland sind Liverpool und Manchester. Ein weiterer Spezialist für Fernverbindungen ist CROSSCOUNTRY / Violett-dunkelbraun. Deren längste Verbindung geht von Penzance in Cornwall, also quasi links unten bis nach Aberdeen im nördlichen Schottland. Einmal quer durch die Insel. Selbstverständlich geht es auch kürzer, eine Hauptstrecke ist hier von Manchester nach B´ham, im 30-Minutentakt. Einige wichtige Fußballziele sind auch darunter; Stoke, Wolverhampton, B´ham, Reading und Southampton. Ist man z.B. in B´ham geht es dann mit den EAST MIDLANDS TRAINS / orange-blau weiter. Von den Midlands in Richtung Süden darf man ruhig sich den LONDON MIDLANDS / grün-schwarz anvertrauen, deren Strecken reichen bis zur Hauptstadt. Von Manchester aus nach Leeds oder Newcastle geht es zumeist nur mit dem TRANSPENNINE EXPRESS / pink-hellblau. Deren Konkurrent heißt allerdings NORTHERN RAIL / violett, hier profitiert man in Preisfragen vom Konkurrenzdruck. NORTHERN RAIL fährt besonders oft nach L´pool.

Diese Liste der Bahngesellschaften sind allerdings nur ein kleiner Auszug des Angebotes, diese Verbindungen benutze ich halt am meisten. Ganz im Süden, London nach Norwich oder Ipswich, bietet dann EAST ANGLIA seine Dienste an, während das gesamte Wales von so klingenden Namen wie FIRST GREAT WESTERN oder ARRIVA TRAINS WALES befahren wird. In Schottland gibt es selbstverständlich auch Bahnen, SCOTRAIL heißt der wenig einfallsreiche Name des Marktführers.

Der Leser ist wohl nun etwas verwirrt, anhand der vielen Namen. Buchen ist aber recht einfach, manchmal besser als Germany. Alle Strecken und Preise sind in EINER homepage zusammengefasst, die jeweilige Verbindung zeigt alle Gesellschaften auf. Auch gilt das gebuchte Ticket für verschiedene Companys, kein Problem. Also ich buche immer über www.thetrainline.com. Da gibt es bis 50% Preisnachlass, zunächst muß man sich aber anmelden. Kostenlos natürlich. Später bekommt man dann immer wieder eine Newsletter, welche zum Kauf animiert. Hier sucht man sich die beste oder günstigste Verbindung raus und bezahlt mit Kreditkarte. Allerdings wird dann nochmals ein Zuschlag von 1,5 BP verlangt. In den Besitz der Karte gelangr man über mehrere Möglichkeiten. Also ich drucke mir die Fahrkarten immer am Expresscounter auf dem Bahnhof aus, man muß nur die Kredikarte einstecken und einen achtstelligen Buchungscode eingeben, und schon flattern die Tickets in das vorgsehene Fach. PS: Kreidkarte nicht vergessen, man wäre nicht der Erste ! Ganz Bequeme können sich den Fahrschein auch zu Hause ausdrucken, aber das scheint in UK kein Mensch zu machen, ich habe bislang bei keiner Kontrolle jemand mit einem solchen Ding gesehen.

Manche Bahngesellschaften haben sich einen Bahnhof als "Heimat" auserkoren. So dient zum Beispiel Nottingham als "Heimathafen" für EAST MIDLANDS. Hier wird dann alles in den jeweiligen Farben gehalten, also schön bunt.

Da ich auch in Deutschland auf einige Kilometer mit der Deutschen Bahn komme, kann ich durchaus Vergleiche ziehen. Also keine Sorge, wenn man die vielen Gesellschaften liest. Es ist schon erstaunlich, wie relativ glatt das Ganze über die Bahn, oder besser gesagt Bühne geht. Manchmal allerdings wird es dann schon seltsam, wenn eine Stecke kurzfristig repariert wird. Ich habe das mal auf einer Fahrt nach Leeds erlebt. Die Bahn fuhr bis zu einer Station in der Pampa, dann ging es im Bus weiter. Die Rückfahrt war komplett gesperrt, erst zwei Stunden später ging er erste offizielle Zug. Da drängten sich dann die gesamten Fahrgäste aller fünf ausgefallenen Züge in den erstbesten rein, Tokio läßt grüßen. Wer Zeit hat, und das hatten wir nimmt eben den nächsten, oder übernächsten. Ist ja kein Problem, fährt ja alle zwanzig Minuten ein Train, in good, old England.

Bild: Buchung, Reservierung, Fahrplan & Fahrkarten.

Bild: Dezent grün, hier London Midland.

RaMü